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Bildungsblog der jungen Generation
Aktualisiert: vor 19 Stunden 25 Minuten

Vorurteile vs. Realität: Smartphones für Geflüchtete

21. August 2017 - 21:17

Neuland oder wichtige Orientierungshilfe – auch für Geflüchtete? Foto: „smartphone“ by sj carey/Flickr

Smartphones für Geflüchtete werden häufig als Luxus angesehen. Warum sie für diese unglaublich wichtig sind, und wie Smartphones die Integration fördern, darüber schreibt Elen Budinova.

Sie haben moderne Smartphones in der Hand, bessere als meins selbst. Warum sollte Deutschland sie willkommen heißen, staatliche Gelder in Integrationsprojekte und Finanzierungsquellen für Flüchtlinge stecken? Die Weltsicht von Asylgegner_innen speist sich häufig aus derartigen Vorwürfen. Bewundert und abgestempelt als Frechheit, Schamlosigkeit und Arroganz wird die Tatsache, dass so viele Geflüchtete Smartphones besitzen. So schlecht könne es ihnen gar nicht gehen, wenn sie sich auf Staatskosten ein Smartphone leisten könnten, meinen viele.

Schlechte Nachricht für alle Unterstützer von dieser Position: Ihre Kritik ist absurd. Der Grund dafür ist einfach: Smartphones sind zu einem festen Bestandteil des Alltags (auch) von Flüchtlinge geworden.  Sie dienen als Orientierungs-, Kommunikations- sowie Integrationsmedium. Smartphones sind Rettungsinstrumente, für viele Geflüchtete einen Computerersatz, der ihnen die Möglichkeit anbietet, Internetzugang zu bekommen.

Ist Internet ein unnötiger Luxus? Denkt nochmal nach. Heißt es Luxus, wenn dadurch von treueren Telefongespräche ins Ausland, öfters in Nicht-EU Krisengebiete oder von Lehr- und Informationsmaterialen für Integrationsziele durch Online-Angebote gespart wird?

Ist es luxuriös, wenn du mit Verwandten in Kontakt bleiben willst, wenn du ein Paar Fotos von deinen Lieblingsmenschen, die über tausende von Kilometern weit weg sind und um die du dir ständig Sorgen machst, geschickt bekommst? Sollte ein Smartphone in der Hand von Geflüchteten als unverschämtes Vergnügen betrachtet werden oder nicht eher als ein Instrument, das Distanz zu deiner Familie und Freunde überwindet, Integrationswege eröffnet und kostenlose Online-Maps, in neuen fremden Ländern zur Verfügung stellt?

Orientierung, Bildung und Integration

Flüchtlinge benutzen Smartphones auch um mit Einheimischen über Social Media-Plattformen in Kontakt zu treten. Facebookgruppen für Sprachtandems, Online-Sprachübungen und –Wörterbücher, WhatsApp- Erfahrungsaustausch mit anderen Geflüchteten bezüglich Integrationsstrategien und bürokratischen Richtlinien, Online-Portale für die Jobsuche – das sind nur einige Anwendungsmöglichkeiten. Smartphones dienen Flüchtlingen nicht nur der Suche nach Fluchtwegen auf der oft von vielen als höchst gefährlich empfundene Reise. Sie beschleunigen auch das Sprachlernen, geben die Chance, sich mehr über die Kultur im neuen Aufenthaltsort zu erkundigen und Freundschaften mit Menschen im Gastland zu beginnen. Demnach ist der Handybesitz sowohl für ihre physische Sicherheit auf der Flucht als auch für ihr psychisches Wohlfühlen im neuen Land angesichts des Integrationsschocks von äußerst positiver Bedeutung.

Dank des Kontakts zu mehreren Geflüchteten und ihren Familien auf Sprachtandemtreffen über mehr als zwei Jahren, konnte ich Einblick in ihren Alltag bekommen. Sie zeigten mir Fotos von ihren Nichten, Omas, Brüder, Freunde, Ehemännern. Ich habe ihnen von Online-Angeboten für die Wegfindung in Berlin wie bvg.de erzählt. Wir sind zusammen zu Museen und Galerien, die ich selbst noch nie davor besucht habe, gegangen sowie gemeinsame kulturelle Kochabende veranstaltet. Dabei verlief die ganze Organisation der Treffen über die Social Media.

Während unserer Sprachübungen haben sie ihre online-Wörterbücher benutzt sowie auf Universitäts- sowie Jobbörse-Webseiten über die Voraussetzungen für Bewerbungen gelesen. Ja, Bewerbungen, weil sie es nicht abwarten können, ihre Ausbildung oder professionelle Laufbahn im neuen Land fortzusetzen.

Leider nutzen offizielle Beratungsinstitutionen die große Palette an Möglichkeiten, die die digitale Informationswelt anbietet, noch nicht in ausreichendem Maße. Doch mehrere zivilgesellschaftliche Initiativen versuchen, durch ein Bottom-up Ansatz Flüchtlinge über ihre Beratungsbedürfnisse zu interviewen sowie ihre digitalen Vernetzungsmöglichkeiten zu verbessern.

Das Neuland als Chance nutzen

Zwei zentrale Probleme gibt es: Zum einen werden die meisten Beratungsangebote auf Deutsch oder Englisch bereitgestellt -zwei Fremdsprachen für die Flüchtlinge. Übersetzungen in ihre Muttersprachen, wie zum Beispiel Arabisch, sind entweder schwer zugänglich oder existieren überhaupt nicht. Zweitens, bestehen Unterschiede bezüglich der Benutzung von Smartphones je nach Alter und Geschlecht. Ältere Menschen können nicht immer so gut neue Technologien bedienen wie die digitalaffine Junggeneration. Für manche Frauen, die im Vergleich zu den Männern in ihren Heimatsländern nicht so aktiv auf dem Arbeitsmarkt waren, ist es auch etwas Neues, die Smartphones nicht nur als Kommunikations-, sondern auch zu Orientierungs- und Integrationszwecken zu nutzen. Statt die Smartphone Ausstattung von Geflüchteten zu kritisieren, sollte die Öffentlichkeit digitale Chancen für eine erfolgreiche und schnelle Integration wahrnehmen, Online-Beratungen erleichtern und damit zugänglich für alle Alters- und Gendergruppen gestalten.

Integration ist ein Prozess, bei dem sowohl die Einheimischen als auch Geflüchtete einen Kulturaustausch durchführen und dabei Spaß haben können. Sie können ihre Welt auch einmal mit den Augen Anderer betrachten. Integration bereichert. Smartphones bereichern die möglichen Wege zur Integration. Mehr noch, Integration heißt nicht Assimilation. Der Kontakt zur Familie und zum Freundschaftskreis, deren Mitglieder zumeist nicht alle am Aufenthaltsort sind, ist kein Luxusgut, sondern eine wichtige Möglichkeit, die niemandem beraubt werden sollte oder wegen derer keine unbegründeten Vorwürfe entstehen dürfen.

Elen Budinova kommt aus Bulgarien und studiert Internationale Beziehungen im Rahmen des gemeinsamen MA-Programms der Universitäten FU-; HU-Berlin sowie der Uni. Potsdam. Ihr Forschungsfokus fällt auf Sicherheitspolitik sowie regionale Politikanalyse mit dem Schwerpunkt auf dem post-sowjetischen Raum, dem Mittleren Osten und Nordafrika.

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Partizipation und offene Lerninhalte: Vielfältige Lernformen nicht erwünscht oder nicht bekannt?

14. August 2017 - 22:13

Manchmal ist der Remix noch besser! Foto: (c) Flickr/trontnort

Bedeutet Partizipation von Schüler*innen oder Student*innen in einer digitalisierten Welt auch, Lerninhalte selbstständig bearbeiten und online teilen zu dürfen? Warum wird diese Möglichkeit des Wissensaustauschs kaum genutzt, gefördert oder ermöglicht? Open Educational Resources und freie Lizenzen bieten eine Lösung an, welche weltweit genutzt werden kann und neue Freiheiten bietet.

Partizipation ist ein großes Wort. Um besser zu analysieren, was jemand konkret damit meint, gibt es Stufenmodelle wie die Partizipationsleiter oder Intensitätsgrade von Partizipation.

Grafik „Partizipation in Unternehmen #innovation“ (CC BY-NC-SA 2.0) by Tanja FÖHR

Echte Partizipation beginnt an der Stelle, an welcher Personen gleichberechtigt teilhaben oder Verantwortung für Entscheidungen übertragen bekommen und nicht ausschließlich informiert oder alibimäßig um eine Stellungnahme gebeten werden, die keine Berücksichtigung findet.

Partizipation und Lernmaterial an Hochschulen?

Was hat Partizipation nun aber mit Lerninhalten wie Skripten, Texten oder Präsentationen zu tun, welche in Seminaren oder Vorlesungen an Hochschulen zur Verfügung gestellt werden?

Der Weg von angehenden Lehrer_innen beginnt mit dem Ende der eigenen Schulzeit und mit Anfang des Lehramtsstudiums. Früher wurden Lernmaterialien an Universitäten und Fachhochschulen als mehrseitige Kopiervorlagen im Copyshop oder in Semesterapparat-Regalen in der Bibliothek bereit gelegt, sodass sie am Kopierer von den Student_innen jeweils selber mühsam kopiert und abgeheftet werden konnten. Dank des World Wide Webs bleibt dies den Student_innen inzwischen meist erspart: Heute finden sich die meisten Seminarinhalte in Lernmanagementsystemen wie Moodle oder ILIAS, können sekundenschnell heruntergeladen und auf die eigene Festplatte kopiert werden. Immer mehr und vor allem aktuelle Literatur ist auch online zugänglich.

Es gibt heutzutage drei zusätzliche Aspekte, die ebenfalls sehr einfach technisch möglich sind:

  1. Die Bearbeitung und Veränderung von Inhalten: Seminarskripte oder Texte mit eigenen Anmerkungen, Fragen oder Gedanken versehen, Präsentationen anders aufarbeiten, Textabsätze ergänzen.
  2. Das Neuzusammenstellen von einzelnen Inhalten (Remix): So können Grafiken aus einer Präsentation zu einem Poster oder einer Infografik zusammengestellt werden oder Präsentationsfolien oder Textabsätze können einfach und schnell in Erklärvideos verwendet werden. Die multimedialen Möglichkeiten sind vielfältig und bunt.
  3. Das (Wieder-)Veröffentlichen von Inhalten: Das Hochladen und Teilen von bearbeiteten oder neu zusammengestellten Inhalten ist technisch ebenso einfach möglich – der Upload-Button gehört inzwischen ganz selbstverständlich zu unserer Lebenswelt hinzu.

Im Alltag der Hochschulen finden die beschriebenen Möglichkeiten allerdings kaum Anwendung. Warum eigentlich nicht? Das liegt meiner Einschätzung nach zum einen daran, dass Urheberrechtsgesetze diese Praktiken nur in sehr engen Grenzen erlauben: Das Zitatrecht ist sehr streng: Text-, Bild- oder Videozitate dürfen nur in einem sehr engen Rahmen und als Beleg verwendet werden, ansonsten droht eine Abmahnung. Ein gutes und ästhetisches Erklärvideo unter diesen Umständen zu produzieren ist kaum möglich. Auch die Bildungsschranken (§52a), die für Unterricht und Forschung Ausnahmen erlauben, beziehen sich primär darauf, dass Student_innen Inhalte konsumieren dürfen. Von Bearbeitung, Neuzusammenstellung oder Wiederveröffentlichung ist hier keine Rede – die Ausnahmen gelten zudem nur im geschlossenen Teilnehmer_innenkreis der Vorlesungen oder Seminare. Die Öffnung von Seminaren oder Vorlesungen durch das World Wide Web ist hier noch überhaupt nicht mitgedacht.

Offene Lehr- und Lernmaterialien: Die Open-Educational-Resources-Bewegung

Um die vielfältigen Potenziale doch zu nutzen, gibt es jedoch Licht am Ende des Tunnels: Eine Professorin oder ein Professor ist zwar automatisch nach deutschem Urheberrechtgesetz mit der Erstellung eines Skriptes der Urheber dieses Werkes: Jede_r der es benutzen, verändern oder wiederveröffentlichen möchte, muss eine Erlaubnis einholen – ansonsten begeht man eine Urheberrechtsverletzung. Die Urheber_innen können jedoch auch selbstbestimmt ihre Werke für Nutzungen offen freigeben. sodass nicht mehr die Erlaubnis eingeholt werden muss.

Die Bewegung rund um Open Educational Resources (OER) hat sich das Ziel gesetzt, solche Nutzungsrechte weltweit zu etablieren, um Lehr- und Lernmaterial offen im Netz oder auch ausgedruckt bereitzustellen. Als OER-Materialien werden Skripte, Texte, Videos und andere Werke bezeichnet, die frei genutzt, bearbeitet und wiederveröffentlicht werden können.

Geregelt wird dies über die freien Creative Commons Lizenzen*, welche weltweit etabliert sind und welche über diese Icons erkennbar sind:

CC BY – Namensnennung
CC BY-SA – Namensnennung und Weitergabe-unter-gleicher-Bedingung (Lizenz)

CC0 – Keine Bedingungen

Der große Vorteil: Das Zitatrecht muss somit nicht mehr beachtet werden, die Länge eines Zitats spielt hierbei ebenfalls keine Rolle. Somit könnten Texte oder Seminarskripte z.B. auch komplett als Podcast vertont und diskutiert werden – bei OER stehen einem alle Möglichkeiten der Nutzung offen, nur die Lizenzbedingungen sind entscheidend. Bei CC BY bedeutet dies, dass eine Angabe des Autors sowie der Lizenz ausreicht, um einen Text, eine Grafik oder eine Videosequenz in Erklärvideos, Postern oder anderen Werken zu verwenden.

Ein praktisches Beispiel Auf dem Portal OERinfo wurde beispielsweise der Magazin-Text von Markus Deimann aus dem Synergie Fachmagazin wiederveröffentlicht mit folgender Angabe:

Dies ist eine Übernahme des Textes „Open Education. Die ewig Unvollendete.“ von Markus Deimann. Dieser Text steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Erstmals erschienen der Text 2016 in: Synergie, Fachmagazin für Digitalisierung in der Lehre | #02 PDF.

Diese öffentliche Nachnutzung ist ohne Nachfrage möglich und über die Lizenzangaben geregelt, die im Originalartikel vermerkt wurden. Der Text erhält somit mehr Reichweite und kann in vielen Kontexten verwendet werden als auch verändert werden.

Der Text von Deimann könnte ebenso ganz einfach auf einem eigenen Blog selbstständig von Studierenden hochgeladen werden. Mit Tools wie Hypothes.is kann der Text dann gemeinsam im kleinen Kreis oder weböffentlich diskutiert werden, sodass auch andere Lernende von den Diskussionen profitieren können. Technisch ist all das inzwischen ein Kinderspiel, die Entscheidung über die Veröffentlichung liegt jeweils in der Hand der Lernenden.

Texte sind nur eine Medienform, die für OER in Frage kommt: Vorlesungsaufzeichnungen, Vortragsfolien, Leitfäden, Broschüren, Animationen, Grafiken, Simulationen, Quizzes, Software, Apps – all das kann unter offener Lizenz als OER verfüg- und veränderbar gemacht werden. Einen Einblick in die vielfältigen Möglichkeiten mit Einbezug von Lernenden bietet die Publikation „Content Projekte der Vorprojektphase 2015/16“ der Hamburg Open Online University (kostenfrei als epub oder PDF). Anhand von offenen Tools wie H5P wird zudem der gestalterische Spielraum sichtbar, der inzwischen technisch möglich ist.

Mit Hilfe von OER werden also vielfältige offene Praktiken möglich, die ohne CC-Lizenz rechtlich schlichtweg nicht möglich sind in Deutschland. Gemeinsames, hochschulübergreifendes Lernen mit Materialien aus ganz Deutschland oder der Welt wird ebenso möglich wie selbstorganisiertes Lernen. Der geschlossene Teilnehmer_innenkreis des Seminars oder der Vorlesung ist nicht mehr die Grenze für das Material – das ist eine wichtige, neue Freiheit.

Selbstbestimmung durch OER?

Im Sinne des Partizipationsmodells ermöglichen Open Educational Resources also eine hohe Partizipation der Lernenden an den Lerninhalten.

Grafik „Partizipation in Unternehmen #innovation“ (CC BY-NC-SA 2.0) by Tanja FÖHR, Bearbeitung: OER-Beispiele in roter Farbe ergänzt von Matthias Andrasch.

Inwiefern dies z.B. aber von den Akteuren an den Hochschulen tatsächlich gewollt oder erwünscht ist, wird die Zukunft zeigen. Derzeit laufen an mehreren Hochschulen vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte OER-Projekte. Ich selbst bin derzeit wissenschaftlicher Mitarbeiter in einem der geförderten BMBF-Projekte: „OERlabs – (Lehramts-)Studierende gemeinsam für OER ausbilden“. Und hier schließt sich der Kreis auch zur schulischen Debatte um OER: Wie sollen junge Lehrer_innen sich eigentlich diesen Möglichkeiten bewusst sein, wenn sie in der Hochschule von Dozierenden ganz anders geprägt werden und niemand bzw. sehr wenige Personen offen lehren oder lernen?

Mit dem Thema OER sind sehr stark auch Fragestellungen der Haltung zu Lehre/Unterricht, der Autorenschaft im digitalen Zeitalter sowie der Bildung und Wissenschaft allgemein verbunden: Wie frei und offen sollen Informationen und Wissen sein? Und sollen die technischen Möglichkeiten ausgeschöpft werden? Ein Engagement der jungen Generation, welches „Was bildet ihr uns ein“ vorlebt, ist meiner Ansicht nach in diesem Bereich ebenfalls dringend nötig, um auch Bottom-Up-Prozesse zu initiieren und OER-Vorhaben zu stärken.

Ich freue mich auf eine offene (Bildungs-)Zukunft!

Fragen zu OER können in der Facebook-Gruppe OER im deutschsprachigen Raum gestellt werden, gesammelte OER-Informationen finden sich u.a. hier:

https://oerlabs.de/oer


* Nicht zu den „echten“ OER werden CC-Lizenzen mit NC- und ND-Einschränkung gezählt, da bei der Einschränkung „nichtkommerziell“ (NC) sowie der Einschränkung „keine Veränderung“ (ND) zahlreiche Nutzungsmöglichkeiten eingeschränkt werden und Inhalte für viele Gruppen wie selbstständige Pädagog*innen nicht nutzbar sind. OER sollen per Definition offen für alle Lernszenarios sein.

——

Text unter CC-BY 4.0 Lizenz (https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/), Autor: Matthias Andrasch

Dies ist ein privater Meinungsbeitrag von Matthias Andrasch, ein Honorar wurde nicht gezahlt.

Matthias Andrasch arbeitet am Thema Openness und an der Schnittstelle zwischen Pädagogik und Informatik – mal als selbstständiger Medienpädagoge, mal als Edu-Hacker oder als wissenschaftlicher Mitarbeiter im BMBF-Projekt OERlabs. Er bloggt auf https://matthias-andrasch.de.

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Neues vom Kooperationsverbot: Wieder nur Projektfinanzierung vom Bund

31. July 2017 - 19:11

Wieder keine langfristige Bundesfinanzierung für Bildung? Foto: nerovivo/Flickr

Bisher konnte Bund die Länder nicht bei der Finanzierung von Bildung unterstützen. Dieses so genannte Kooperationsverbot wurde vor kurzem aufgelockert. Was das für den Bereich Schule bedeutet, hat sich Jenny Laube vom Netzwerk Chancen für uns angeschaut.

Am 1. Juni hat der Bundestag die Geldflüsse zwischen Bund und Ländern neu geordnet. Ganze 13 Grundgesetzänderungen wurden mit den Stimmen der Unions- und SPD-Fraktionen beschlossen. Einen Tag später folgte auch die Zustimmung des Bundesrates.

Für alle, die sich für Bildung und das Bildungssystem in unserem Land interessieren, erscheinen insbesondere die Artikel 6 und 7 der beschlossenen Änderungen ein Stück weit revolutionär. Darin wird dem Bund erlaubt, besonders finanzschwache Kommunen bei den Investitionen in die Schulinfrastruktur finanziell zu unterstützen. Dies war bislang aufgrund des sogenannten Kooperationsverbots nicht möglich. Weil in Deutschland die Länder für die allgemeinbildenden Schulen zuständig sind, tragen sie neben der fachlich-inhaltlichen auch die finanzielle Verantwortung. Mit der Folge, dass besonders in den ärmeren Bundesländern die Investitionen in die Schulen seit Jahren nicht dem Bedarf entsprechen und vielerorts untragbare Zustände entstanden sind.

In den letzten Jahren, hat das Kooperationsverbot vor allem zur Folge gehabt, dass die Lern- und Lehrverhältnisse in den einzelnen Bundesländern immer stärker auseinanderdriften. Die Qualität der allgemeinen Schulbildung leidet, wo leere Kassen verhindern, dass ausreichend Lehrkräfte angestellt und an Schulgebäuden die erforderlichen Sanierungsmaßnahmen durchgeführt werden.

Das Kooperationsverbot wird zwar seit Jahren kritisiert, dennoch sträuben sich die Verantwortlichen in den Bundesländern vehement gegen seine Aufhebung. Die teils prekäre Lage, beispielsweise an Berliner oder Bremer Schulen hat nun aber doch dazu geführt, dass sich Bundestag und Bundesrat auf eine Lockerung geeinigt haben.

Was bringt nun die Gesetzesänderung?

Zunächst einmal bedeutet die Gesetzesänderung keine dauerhafte oder umfassende Aufhebung des Kooperationsverbots. Vielmehr wird dem Bund erlaubt in sehr engen Grenzen und für einen befristeten Zeitraum Projekte im Bereich der Schulinfrastruktur nach vorheriger Beantragung durch die Kommunen finanziell zu unterstützen.

Hierfür stellt er im Kommunalinvestitionsförderungsfonds Gelder in Höhe von insgesamt 3,5 Milliarden Euro bereit, die bis 2024 ausbezahlt werden sollen. Förderfähig sind dabei Projekte, welche die Sanierung, den Umbau, die Erweiterung von Schulgebäuden sowie in engen Grenzen auch deren Ersatzbau zum Gegenstand haben. Weiterhin können Investitionen in die erforderliche Gebäudeausstattung sowie die digitale Infrastruktur gefördert werden. Das Mindestfördervolumen der Projekte liegt bei 40.000 Euro und für die Prüfung und Genehmigung der Förderanträge sind die Länder zuständig.

Jenny Laube engagiert sich für Netzwerk Chancen – eine unabhängige Plattform, die durch einen gesamtgesellschaftlichen Dialog Lösungsansätze für mehr Chancengleichheit für Kinder und Jugendliche aus sozial schwachen Familien erarbeitet.  Was bedeutet das für die Schulen im Land?

Man kann den Gesetzesbeschluss als einen vorsichtigen, aber richtungsweisenden Schritt hin zur Lockerung des Kooperationsverbots deuten. Der Kommunalinvestitionsförderungsfond ist jedoch im Hinblick auf Dauer, Ausgestaltung und Volumen nicht geeignet, eine deutliche, flächendeckende Verbesserung der Schulinfrastruktur im Bundesgebiet zu bewerkstelligen, geschweige denn die systemischen Unzulänglichkeiten zu beseitigen. Weil das Förderprogramm als Projektfinanzierungsmodell ausgestaltet ist, wird es nur punktuell den Investitionsrückstau in den Schulen korrigieren können, den der Deutsche Städtebund inzwischen auf 30 Milliarden Euro schätzt. Und statt über regelmäßige zweckgebundene Zuwendungen an die Gemeinden die finanzielle Situation der Schulen langfristig zu verbessern und zu sichern, können Gelder nur im Rahmen begrenzter, bewilligungspflichtiger Projekte an die Kommunen ausbezahlt werden. Die Schaffung neuer Lehrstellen oder die Bezahlung von Schulsozialarbeitern können daraus nicht finanziert werden, obwohl auch hier dringender Bedarf – insbesondere an so genannten Brennpunktschulen – bestünde.

Zwar ist es positiv zu bewerten, dass sich Länder und Bund zumindest etwas bewegt haben, bei diesem ersten zaghaften Schritt darf es aber nicht bleiben. Vielmehr muss zügig darauf hingewirkt werden, dass die ausreichende finanzielle Ausstattung der allgemeinbildenden Schulen dauerhaft gesichert wird und nicht länger Schüler, Eltern und Lehrer das Nachsehen haben, wenn die Länderfinanzen knapp sind. Weil die Zuständigkeiten im Grundgesetz geregelt sind, bedarf eine Änderung einer 2/3-Mehrheit in Bundestag und Bundesrat. Wenn also ab Herbst nicht länger eine Große Koalition unser Land regieren sollte, obläge es allen Bundestagsfraktionen die Finanzierung unserer Schulen auf ein festes Fundament zu stellen und sich nicht in parteipolitischem Taktieren zu verlieren. Es geht um kein geringeres Gut als unsere Zukunft und die sollten wir nicht weitere vier Jahre aufs Spiel setzen.

Link zum Wortlaut der Bundesdrucksache: http://www.bundesrat.de/SharedDocs/drucksachen/2017/0401-0500/431-17.pdf?__blob=publicationFile&v=2.

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Workshopbericht: Journalistische Interviews

17. July 2017 - 19:25

Keine astreine Interviewsituation, oder? Foto: Alena Biegert

Interviews sind eine häufig verwendete journalistische Form. Aber wie bereitet man sie vor, wie führt man sie? Darüber haben wir uns weitergebildet. Alena Biegert hat aufgeschrieben, wie es war. 

Welche Fragen stelle ich einer Politikerin, die ich einem Popstar besser nicht stelle? Wie bereite ich mich auf ein Interview vor, damit ich kein nervöses Nervenbündel bin? Und wie komme ich im Interview vom sicheren Terrain ins ungewisse Abenteuer, wo die wirklich spannenden Fragen warten?

Am Sonntag, den 16. Juli haben wir zu einem Workshop in den Blumensaal im Palais am Festungsgraben eingeladen: „Journalistische Interviews vorbereiten und führen“.
Der Journalist Andreas Hermwille hat die zwölf Teilnehmenden den Tag über von der Theorie zu praktischen Fragen begleitet und dabei auch aus dem professionellen Nähkästchen geplaudert (Hättet ihr gewusst, wofür die Codezahlen 1,2 und 3 in Gesprächen mit Politiker_innen stehen?). Wir haben über Fragetypen, Interviewformen und verschiedene Interviewpartner_innen gesprochen, unsere Haltung als Interviewende während eines Gesprächs reflektiert und die Erstellung eines Fragenkatalogs erprobt.

Vielen Dank an die Stiftung Bildung, die so freundlich war, uns die Räumlickeiten zur Verfügung zu stellen. Und Danke natürlich an Andreas Hermwille, der aus Bielefeld anreiste, um den Workshop zu leiten. Auch dieser Blog-Workshop war ein schöner Erfolg und wir werden das Format auf jeden Fall fortführen!

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Digitalisierung und die Dampflok

10. July 2017 - 22:31

Wartet er noch? Oder ist der digitale Zukunft schon abgefahren? Foto: Erick Pleitez/Flickr

Die Digitalisierung als Chance begreifen und sie aktiv mitgestalten – vor allem aber unsere Kinder digital fit machen. Dafür plädiert Verena Gonsch in ihrem Buch „Digitale Intelligenz. Warum die Generation Smartphone kein Problem, sondern unsere Rettung ist“. Sonst, so befürchtet die Autorin, ist der Zug bald abgefahren und nicht nur die junge Generation, sondern auch Deutschland als Ganzes auf der Strecke geblieben. Kira Meyer hat sich das Buch genauer angesehen.

Was haben Digitalisierung und eine Dampflock miteinander zu tun? Für Verena Gonsch ist das ganz klar: Die Moderne stand in Deutschland immer schon im Verdacht, die Kultur zu schädigen. Paradigmatisch zeigt sich das an der zögerlichen Haltung der Deutschen gegenüber der revolutionären Eisenbahntechnik vor fast 200 Jahren. Digitalisierung ist also so etwas wie die Dampflok des 21. Jahrhunderts. Sollten wir auf diesen Zug aufspringen?

An dieser derzeit so hitzig geführten Debatte beteiligt sich die Autorin mit ihrem Buch und liefert in kritischer Auseinandersetzung viele Gründe dafür, dass wir zum Sprung ansetzen sollten. Gegen Panikmacher_innen und Schwarzmaler_innen werden zahlreiche Expert_innen ins Feld geführt, die anhand von neuesten Forschungsergebnissen ein positives Bild von den Veränderungen durch die digitale Revolution zeichnen. Soziolog_innen und Psycholog_innen, ebenso wie Hirnforscher_innen und Philosoph_innen lässt Gonsch zu Wort kommen. Dabei wirft sie immer wieder einen Blick in die deutsche Geschichte und zeigt überzeugend auf, dass die Angst vor den Auswirkungen der neuen Technik unbegründet ist. In thematisch vielfältigen Kapiteln rückt sie mal dem Mythos der angeblich für Verblödung sorgenden Computerspielen zu Leibe, seziert die Vorurteile über die Arbeitswelt 4.0 oder macht die Wurzeln der deutschen Technologiefeindlichkeit im Zeitalter der Industrialisierung aus.

Bildungschancen durch Digitalisierung für Jung und Alt

Ein besonderes Augenmerk des Buches liegt auf den Kindern und Jugendlichen: Was bedeutet die Digitalisierung für sie? Welche Verpflichtung haben wir ihnen gegenüber in der Ausgestaltung der digitalen Welt? Dringend nötig wäre, dass Lehrer_innen digitale Medien stärker in den Unterricht einbinden und den jungen Generationen somit wichtige Fähigkeiten für die Arbeitswelt 4.0 vermitteln. Denn der aktuelle Zustand ist alarmierend: „Tatsächlich konnte vor drei Jahren jeder zweite Achtklässler in Deutschland noch nicht einmal im Internet eine Webadresse suchen. (…) Bei internationalen Studien, bei denen die Kompetenz getestet wird, sich sicher im Internet zu bewegen, liegen deutsche Schüler im unteren Mittelfeld. Viele europäische Länder überholen uns in Sachen Medienkompetenz.“

Kira Meyer (geb. 1993) hat einen Bachelor in Philosophie und Politikwissenschaften und studiert nun Philosophie im Master – ebenfalls an der Universität Hamburg. Als Ehrenamtliche in der schulischen Hilfe für Flüchtlingskinder oder als Tutorin an der Uni begleitet sie das Thema Bildung und was es heißen könnte, gebildet zu sein.

Aber auch Eltern wären gut beraten, neugieriger auf die digitalen Welten zu sein, in denen sich ihre Jüngsten so selbstverständlich bewegen. Sich von ihnen mal zur Kampfmaschine ausbilden zu lassen oder gemeinsam einen Nachmittag Pokémon Go zu spielen – das stärkt nicht nur den familiären Zusammenhalt, sondern öffnet idealerweise so manchem „Digital Dinosaurier“ eine Tür zu neuen Online-Welten. Denn Bildungschancen durch Digitalisierung bekommen nicht nur junge Menschen, „auch Wissensdurstige in den Industriestaaten werden davon profitieren. Denn die Online-Unis bieten die Möglichkeit, auch mit 40plus nochmal den Beruf zu wechseln oder sich weiterzubilden.“

Mitgestalter_innen gefragt

Anregend verfasst sind nicht nur die Sachbuch-Texte von Verena Gonsch, auch die jedem Kapitel vorangestellten Geschichten von Till Raether, in denen das Thema des folgenden Abschnitts belletristisch beleuchtet wird, regen zum Nachdenken an. Gespickt mit Humor und persönlichen Erlebnissen schlagen die Autor_innen einen weiten Bogen über die wichtigsten Bereiche der digitalen Revolution – bei einem nicht derart komplexen Thema wie diesem keine Selbstverständlichkeit. Nicht nur durch diese gelungene Kombination von Sachbuch und Kurzgeschichten erhält der Leser oder die Leserin einen umfassenden Einblick, auch die Bemühung der Autorin, sowohl die Pro- als auch die Contra-Seite zu beleuchten, macht das Buch lesenswert. An einigen Stellen würde man sich vielleicht wünschen, dass länger bei Begriffen verweilt wird. Gerade mit Bildung oder Intelligenz ist in Debatten häufig ganz Unterschiedliches gemeint. Zumal der Titel des Buches von digitaler Intelligenz spricht, wüsste man gerne genauer, was genau die Autorin darunter versteht.

Das Buch ist aber nicht nur für Eltern und Lehrer_innen interessant, sondern für jeden, der die Form unserer zukünftigen Gesellschaft mitbestimmen will – denn da kommt man an einer Mitgestaltung der Digitalisierung nicht vorbei. In Zeiten von Dampflok und Druckerpresse will wohl niemand mehr zurück, spätestens nachdem er dieses Buch gelesen hat.

Das Buch erscheint am 24. November im Verlag Bastei Lübbe. Es umfasst 256 Seiten und ist erhältlich als Paperback für 12,90 € – oder ganz modern als E-Book für 9,99 €.

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Digitale Bildung: Was politisch passieren muss

6. July 2017 - 11:20

Haben wir bald nur noch Tablets in der Schule? Foto: Brad Flickinger/Flickr

Viel wird über digitale Bildung gesprochen. Doch Digitalisierung ist nicht nur Tablets benutzen. Was politisch passieren soll, schildert Max Meisenheimer von den Juso-Hochschulgruppen in seinem Beitrag.

Die Digitalisierung unserer Gesellschaft ist ein omnipräsentes Thema. Auch vor dem Bildungssystem macht die Digitalisierung nicht Halt. Wenn in der Bildungspolitik über digitale Bildung gesprochen wird, wird gemeinhin, insbesondere jedoch von konservativen Akteur_innen, die Annahme vertreten, digitale Bildung bedeutet, dass Schüler_innen statt Papier und Stift ab jetzt Tablets benutzen sollten. Das ist aber falsch. Digitalisierung und digitale Bildung sind kein isoliertes Politikfeld, dass durch ein paar Anschaffungen oder Qualifizierungen erfolgreich gestaltet werden kann.

Digitale Bildung ist vielmehr ein Querschnittsthema, eine Perspektive, die wir in fast allen gesellschaftlichen Bereichen einnehmen können und müssen. Mit der Digitalisierung von Bildungsinstitutionen haben wir die Möglichkeit, übergeordnete politische Ziele und Vorstellungen zu erreichen. Inklusive Schulen, sozial gerechtere Hochschulen und kostenlose Weiterbildungen, all das lässt sich zumindest zu Teilen durch digitale Bildungsangebote realisieren.

Was ist bisher passiert?

Vereinzelt lassen sich politische  Akzente beobachten, die sich mit digitaler Bildung auseinandersetzen. Das Bundesbildungsministerium unter Leitung von Johanna Wanka (CDU) zeigt dabei aber keine konsequente und langfristige Strategie, die es verfolgt. Vielmehr geht es ihr dabei um einzelne Akzentsetzung und die Förderung einiger weniger Spitzeninstitutionen. Es ist fatal anzunehmen, dass ein Finanzpakt, der nur wenige sogenannte Leuchtturmprojekte im Bereiche digitale Bildung an Schulen oder Hochschulen fördert, nachhaltige Effekte auf das gesamte Bildungssystem haben könnte. So fördert das Ministerium zum Beispiel die Entwicklung von Open Educational Resources (OER).[1] Das sind frei zugängliche digitale Lehr- und Lernmittel, also quasi das Rückgrat freier und kostenloser Bildung im digitalen Raum. Diese Förderung passiert aber nur bei einigen wenigen Projekten. Stattdessen bräuchte es Investitionen in die Breite.

In aller Munde war Ministerin Wanka aber in den letzten Monaten mit dem sogenannten DigitalPakt#D. Dieser Finanzpakt des Bundes soll knapp fünf Milliarden Euro in die digitale Ausstattung von Schulen geben. Was sich erstmal ganz gut anhört, ist es bei genauerem Hinschauen dann aber doch nicht mehr wirklich. Fünf Milliarden Euro sind auf fünf Jahre verteilt für Schulen bundesweit nicht viel. Um überall eine gute Ausstattung zu ermöglichen, braucht es wesentlich stärkere Investitionen. Diese Investitionen dürfen auch nicht auf einen willkürlichen Zeitraum, wie diese fünf Jahre, begrenzt werden, sondern es braucht eine auf Dauer angelegte Finanzierungsstruktur. Nicht zuletzt zeigt sich aber auch hier: Die digitale Ausstattung bringt wenig ohne die richtige Qualifikation des Lehrpersonals.

Max Meisenheimer ist Mitglied des Bundesvorstandes der Juso-Hochschulgruppen und  25 Jahre alt. Er studiert im Master Governance & Public Policy an der TU Darmstadt. Seinen Bachelor schloss er in Politikwissenschaft und Soziologie an der Universität Mannheim ab. Seit seinem ersten Semester engagiert er sich in den Juso-Hochschulgruppen. Er war u.a. AStA-Referent für Hochschulpolitik & Gesellschaft an seiner Universität und Landeskoordinator der Juso-Hochschulgruppen Baden-Württemberg. Er ist außerdem aktives Mitglied der SJD – Die Falken. Seit November 2015 ist er Mitglied im Bundesvorstand. Max vertritt die Juso-Hochschulgruppen in der AG Bildung & Forschung der SPD-Bundestagsfraktion. 

Anfang Juni hat sich die Kultusministerkonferenz [sic!] (KMK) mit dem BMBF auf einen abgewandelten Pakt mit dem Namen DigitalPaktSchule geeinigt.[2] Mit diesem neuen Pakt werden die Grundziele des DigitalPakt#D fortgeführt, es gibt jedoch glücklicherweise ein paar wenige Verbesserungen. So verpflichten sich die Länder, Qualifizierungsmaßnahmen für Lehrer_innen einzuführen und auch die Wartung der neuen Ausstattung wird zu Teilen durch den Bund mitfinanziert. Der große Wurf ist aber auch das noch nicht.

Das vielleicht zentralste politische Papier ist ein Grundsatzpapier der KMK mit dem Titel „Bildung in der digitalen Gesellschaft“.[3] In dieser gemeinsamen Strategie der Länder sind insbesondere für den Schul- und Hochschulbereich Leitlinien, Qualifizierungskriterien und Anforderungen an digitale Bildung definiert. Dieses Papier bietet eine wichtige Arbeitsgrundlage und versteht digitale Bildung als Katalysator, gerade im Schulbereich, mit dem sich Bildungsinstitutionen öffnen können.

Anforderungen an eine digitale Bildungspolitik

Digitalisierung darf nicht um der Digitalisierung willen passieren. Wir brauchen keine Tablets im Unterricht, weil es cool aussieht. Vielmehr benötigen wir Tablets im Unterricht, damit Schüler*innen, Studierende und Lehrende Programme nutzen können, die Lehren und Lernen individueller gestalten und somit einfacher und inklusiver für mehr Menschen machen. Dabei geht es um die Möglichkeit Lehren und Lernen unabhängig von Zeit und Ort zu ermöglich, z.B. durch aufgezeichnete Vorlesungen, Online-Aufgaben o.ä. Es geht aber auch um Programme, die es ermöglichen Lernen auf individuelle Bedürfnisse anzupassen und Stärken und Schwächen bei den Lernenden zu berücksichtigen. Dieser Grundsatz muss bei jeder bildungspolitischen Entscheidung klar sein.

Drei klare Handlungsfelder um Digitalisierung in der Bildung zu realisieren, können dafür definiert werden: Ausstattung der Einrichtungen, Qualifizierung des Lehrpersonals, Entwicklung von Lehr- und Lernsoftware und -konzepten. Digitale Bildung spielt dabei außerdem entlang der gesamten Bildungskette eine Rolle, begonnen bei der frühkindlichen Bildung, über Schulen, die berufliche Bildung, Hochschulen und der Weiterbildung. In allen Handlungsfeldern während der gesamten Bildungskette müssen uns folgende Fragen auch bei der digitalen Bildung bewegen. Wie können wir Bildung öffnen für Menschen, die nicht vor Ort sein können? Wie kann Bildung inklusiver sein? Wie können Institutionen sozial gerechter und feministischer gestaltet werden?

Gerade Frauen* erleben häufig Mehrfachbelastungen in ihrem Bildungsverlauf; das Aufziehen von Kindern oder familiäre Verpflichtungen wie die Pflege von Angehörigen. Gerade für sie können digitale Bildungsangebote die notwendige zeitliche Autonomie bieten, um diese Belastungen miteinander zu vereinbaren.

Was wir benötigen, ist eine Ausstattung in den verschiedenen Einrichtungen, die den Bedürfnissen von heute gerecht wird. Alle müssen Zugang zu schnellem Internet, kostenlosen Programmen und Endgeräten haben. Außerdem muss das Lehrpersonal breit qualifiziert werden für den Umgang mit digitalen Lehr- und Lernmitteln. Dafür bedarf es der Reform des Lehramtsstudiums und breiten Fort- und Weiterbildungsangeboten für Lehrende an Schulen und Hochschulen. Die Nutzung von OERs und anderen Lehr- und Lernangeboten im Netz muss immer frei und kostenlos sein. Bildung ist ein Menschenrecht und darf nicht nur den Zahlungskräftigen zugänglich sein.

Nicht zuletzt muss es auch die Aufgabe guter Bildungspolitik sein, die Digitalisierung des Bildungssystems richtig zu gestalten. Durch eine freiere Lehre und individuelleres Lernen können Schüler_innen und Studierende selbstständiger lernen und dazu befähigt werden, kritisch Inhalte zu hinterfragen, statt nur Textbücher auswendig zu lernen. Digitale Bildung kann so Menschen freies und kritisches Denken ermöglichen.

[1] https://www.bmbf.de/de/neue-informationsstelle-fuer-offene-bildungsmaterialien-3519.html

[2] https://www.kmk.org/aktuelles/artikelansicht/kmk-laender-bekennen-sich-zu-eckpunkten-des-digitalpakts-schule.html

[3] https://www.kmk.org/fileadmin/Dateien/veroeffentlichungen_beschluesse/2016/2016_12_08-Bildung-in-der-digitalen-Welt.pdf

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#Digimon – Im Juli wird’s bei uns digital!

3. July 2017 - 22:48

Foto: (c) Alena Biegert


Machen omnipräsente Smartboards den Unterricht an deutschen Schulen besser? Sollten Lehrer_innen mit ihren Schüler_innen per WhatsApp kommunizieren? Wieso können unsere Abiturient_innen eigentlich noch nicht programmieren? Werden Auszubildende ausreichend auf die technologischen Anforderungen der Industrie von morgen vorbereitet? Und wer kümmert sich dabei eigentlich um Datenschutz und Urheberrechte?

Bildung und Digitalisierung, digitale Bildung – damit wollen wir uns im Sommermonat Juli beschäftigen. Ein aktuelles Thema, eines  voller Schlagworte („digital!“ – „Zukunft!“ – „Technologie!“), aber was sind eigentlich die spannenden Fragen, wenn es um Digitalisierung und Bildung geht?  Wir haben dazu aufgerufen, diese Fragen zu finden und zu beantworten. Die Ergebnisse zeigen wir in den kommenden Wochen. Euch erwarten sowohl Kommentare als auch Rezensionen und Berichte. Die Texte decken bei weitem nicht das ganze Spektrum digitaler Bildung ab, geben aber einen spannenden Einblick in dieses weite Feld. Wir wünschen euch dabei eine anregende Lektüre. Hinterlasst uns gerne Kommentare, diskutiert mit und bastelt mit uns an einem besseren (digitalen) Bildungssystem!
Eure „Was bildet ihr uns ein?“-Redaktion 

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Neben einer vereinfachten Lebensweise spielt dabei auch die moderne Technik eine wichtige Rolle.
Wir finden heraus, wie Sie einfacher leben und die aktuellen technischen Möglichkeiten optimal nutzen können.

Beispielsweise bietet sich zur Fortbewegung in den Städten das Car2go- oder Car-Sharing-Konzept an oder wie wäre es in Zukunft mit einer AllinOne-Solaranlage zur weitestgehend autarken Stromversorgung oder verbrennen Sie Biomasse (z. B. Kuhmist) und erzeugen Sie so Ihren eigenen Strom.

Sie möchten sich mit Ihrer eigenen Stimme an den gesellschaftlichen Entscheidungen, die Sie interessieren, beteiligen ?

Möglicherweise wünschen Sie sich insgeheim schon lange, so zu leben und entsprechende Erfahrungen und Erkenntnisse zu sammeln.

Ja, wie wäre es, wenn Sie Ihre Begeisterung für diese ganzheitliche Lebensweise sogar zu Ihrem Beruf machen und sie auf diesem Wege, Ihr Wissen mit anderen teilen und anderen Menschen helfen können, erfüllter zu leben.

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Natürlich können Sie auch nur einzelne Schwerpunkte aus dem Lebensunternehmer-Konzept trainieren bzw. coachen, etwa den Workshop wo es darum geht für Berufsanfänger und Berufswechsler den optimalen Beruf bzw. die Lebensaufgabe zu finden.

Für die Teilnahme sind keine besonderen Schulabschlüsse oder Zertifikate erforderlich! 

Wichtig ist, daß Sie von Ihrem Thema begeistert sind und gerne lernen bzw. später als Lebensunternehmer-Coach Ihre Erfahrungen und Erkenntnisse leidenschaftlich gerne an andere weitergeben.

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