Corporate Learning – Training und Wissensmanagement

 
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Blog von Karlheinz Pape
Aktualisiert: vor 4 Stunden 45 Minuten

Podcasts im Aufwind?

1. November 2017 - 16:21

Subscribe 9 war der Kurztitel der schon 9. Podcaster-Konferenz am letzten Wochenende beim Bayerischen Rundfunk in München. 150 Teilnehmer konnten unter 56 Vorträgen und Workshops wählen. Naturgemäß stellten private Podcaster die Mehrzahl der Teilnehmenden. Auffällig waren etliche Vertreter von Unternehmen/Organisationen, die sich jetzt auch dem professionellen Podcasten verschrieben haben. Podcasts werden inzwischen bei Verlagen und Rundfunk-Sendern als zusätzliches Kommunikationsmedium mit eigenem Wert angesehen und eingesetzt.

Bild: KhPape CC BY

Meine Motivation für die Subscribe 9

Fürs Podcasten angesteckt hat mich Simon Dückert, der ja schon seit Jahren den Management 2.0 Podcast und gemeinsam mit Ulrich Schmidt den Podcast Knowledge on Air betreibt. Auf seine Anregung und mit seiner Hilfe entstand dann unser Corporate Learning Podcast der inzwischen schon 47 Episoden aufweist, die im Wesentlichen während des großen Corporate Learning 2025 MOOCathons entstanden sind. Mein Interesse an diesem für mich noch neuem Medium zum Lernen hat mich – ein wenig neugierig – auf die Subscribe 9 geführt. Außerdem wollte ich die drei Haupt-Enabler der deutschen Podcast-Szene, Ralf Stockmann (Ultraschall Podcast Erstellungstool), Tim Pritlove (Podlove Podcast Publisher) und Sebastian Reimers (Studio Link, professionelles Audio-over-IP) mal persönlich erleben. Meine Hochachtung ist noch gestiegen: Alle drei setzen seit Jahren enorm viel professionelle Energie in Software-Lösungen, die Podcasten besser und einfacher machen – und die sie noch immer kostenlos zur Verfügung stellen. Einen herzlichen Dank an die drei und an die dahinterstehenden Teams: Ihr habt das Podcasten für Jedermann überhaupt erst möglich gemacht!

Bild: KhPape CC BY

Meine Learnings bei der Subscribe 9
  • Wenn es immer mehr Organisationen gibt, die Podcasts als Medium einsetzen – und damit das Podcast-Angebot erweitern, wird das Podcast-Hören auch immer selbstverständlicher werden. Zunächst sind das Rundfunk-Sender (z.B. BR) und immer mehr Verlage (z.B. t3n).
  • Die Technik dazu hat heute fast jeder mit dem Smartphone in der Tasche. Auch die über 10 Millionen pro Jahr in Deutschland verkauften Kopfhörer deute ich als ein Zeichen für die steigende Audio-Nutzung mit Smartphones.
  • Die Erstellung von Podcasts wird mit den stetigen Updates der kostenlosen „Ultraschall“-Oberfläche für Reaper (60$ für private Nutzung) immer leichter und eleganter. Professionelles Aufnehmen und schneiden gelingt damit schon jetzt fast jedem.
  • Fern-Interviews übers Internet in bester Audio-Qualität sind dank „Studio Link“ auch ganz einfach möglich. Jetzt ist nur noch das Mikrofon des Angerufenen die Schwachstelle. Die schon in wenigen Wochen erscheinende Studio-Link-App soll die i.d.R. hochwertigen Mikrofone der Smartphones dafür direkt nutzen. Auch mehrere Interviewpartner lassen sich mit Studio Link gleichzeitig ins Gespräch holen. Und Ultraschall hat diese Remote-Zuschaltung über Studio Link schon integriert.
  • Immer mehr Podcaster versuchen von ihren Podcasts zu leben, also damit Geld zu verdienen. Geschäftsmodelle dafür sind noch im Versuchsstadium. Man traut aber der eigenen Podcast-Hörer-Community die finanzielle Belastung oder das Ertragen von Werbebotschaften zu. Auch das scheint mir ein Zeichen für eine gewisse Etablierung der Podcast-Nutzung in der Gesellschaft zu sein.
  • Podcasts sind nicht zweitverwertete Radio-Sendungen, so jedenfalls Florian Meyer-Hawranek vom Bayerischen Rundfunk in seinem Vortrag zu den 5 Learnings nach einem Jahr Podcast-Produktion beim BR. Dabei hat er sehr anschaulich die Unterschiede zu Radio-Sendungen dargestellt: Im Jugend-Radio sind Inhalte nur wenige Minuten lang, dann kommt Musik. Danach eine kurze Wiederholung des vorigen Beitrags – es könnte ja sein, dass sich jemand erst jetzt dazugeschaltet hat. Das alles ist bei Podcasts nicht notwendig. Keine Musik (oder höchstens 8 bis 12 Sekunden), und lange dauern darf es auch. Jeder kann ja unterbrechen, und später weiterhören, wenn es nötig ist. Außerdem transportieren Podcasts authentische Persönlichkeiten. Hörer bauen eine Beziehung zum Sprecher auf, der mit seinem Thema verbunden ist.
  • Die Community-Kommunikation ist schwierig bei Podcasts. Man hört die ja meist bei anderen Tätigkeiten, fast nie am Bildschirm. Likes oder Kommentare sind also kaum möglich. Da kommt das neue Tool Voctag genau zur richtigen Zeit, das Audio-Kommentare von Usern einsammelt.

Hier die Aufzeichnung des Vortrages von Florian Meyer-Hawranek, BR zu seinen 5 Learnings:

Voctag wird in diesem Vortrag von Robert Sirola erläutert:

Die Frage, warum Menschen anderen beim Denken zuhören, wurde in der Session von Nora Vespers, Rita Molzberger, Martin Rüttler und Moritz Klenk angesprochen und von Teilnehmern beantwortet. Diese Session ist selbst wie ein Podcast zu genießen: Man kann sich vom sprechenden Denken der Anderen gut zum Selber-Denken anregen lassen:

Auch Simon Dückert hat seine Eindrücke der Subscribe 9 in einem empfehlenswerten Blogpost zusammengefasst: Warum Audio der Text der mobilen Generation ist.

Mein Fazit:

Meine Lust aufs Podcasten ist gestiegen. Podcasts sind gut geeignet für die Wissensvermittlung, insbesondere wenn die Originale selbst und authentisch zu Wort kommen. Podcasts sind neben dem Radio die einzigen Medien, die man nebenbei „konsumieren“ kann, also beim Fahren, Laufen, Warten, Aufräumen, usw. Die Technik dafür hat fast jeder heute in der Tasche. Wenn jetzt immer mehr Verlage und Radios Podcasts anbieten (andere Organisationen werden nachziehen), dann wird Podcast hören bald so selbstverständlich sein wie heute noch das Zeitung lesen. Ich denke auch „Audio ist der Text der Mobilen Generation“, wie Luca Carraciolo von t3n in seinem Vortrag sagt:

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Selbstgesteuertes-Lernen erfordert anderes L&D Geschäftsmodell

1. November 2017 - 15:41

Viele Learning & Development Abteilungen sind in den letzten Jahrzehnten zu Profit-Centern geworden. Die interne (und externe) Vermarktung von Weiterbildungs-Dienstleistungen soll das Dienstleistungs-Angebot über Preis und Nachfrage regulieren. Auch wer nur als Cost-Center geführt wird, muss seine Leistungen i.d.R. in gleicher Weise vermarkten. Preise pro Teilnehmer und Zeiteinheit (Tag, Stunde) funktionieren bei Präsenzkursen ganz gut, bei eLearnings schon weniger, und bei Lern-Netzwerken gar nicht mehr.

Bild: geralt von https://pixabay.com/de/

Selbstgestuertes Lernen in Netzwerken ohne L&D?

Selbstgesteuertes Lernen in Netzwerken wird aus meiner Sicht derzeit zum großen Thema innerhalb und außerhalb von Organisationen. L&D ist oft noch gar nicht beteiligt an dafür förderlichen Initiativen in Unternehmen (siehe Bosch mit 33.000 Communities oder Continental mit 700 Social Media Guides). In solchen Communities findet aber der Hauptteil des Lernens in Organisationen statt. L&D müsste also der Treiber solcher Initiativen sein. Zwei Hauptgründe halten aus meiner Sicht L&D-Abteilungen davon ab:

  • Netzwerke erfordern ein „Gleiche Augenhöhe“ Mindset. Wer gewohnt ist, sein Expertenwissen auf Teilnehmer „herunterfließen“ zu lassen, tut sich naturgemäß schwer damit.
  • Die Unterstützung von Netzwerken kann man nicht an Teilnehmer verrechnen. Hier sollen die Teilnehmer ja auch Teilgebende sein, die ihrerseits ja auch keinen Lohn für ihre Beiträge fordern sollen.

Beides zusammen scheint genug Begründungen zu liefern, warum L&D sich noch wenig bei Aufbau und Pflege von Fach-Communites engagiert.

Flatrate je Mitarbeiter?

Am Mindset kann man arbeiten, oder sich erfahrene „Onliner“ ins L&D-Team holen. Am eigenen Geschäftsmodell muss man arbeiten, wenn man den 90%-Bereich aus dem 70:20:10 Modell als L&D unterstützend voranbringen will. Das erfordert eine andere Finanzierung der eigenen Leistung, keine Verrechnung von Einzel-Leistungen je Teilnehmer mehr. Ein erster Schritt könnten mit Organisationseinheiten ausgehandelte Flat-Rates sein. Langfristig scheint mir für die interne Weiterbildung das jährlich auszuhandelnde Gesamt-Budget die passende Lösung zu sein. Egal ob pro Teilnehmer aus dem Abteilungs-Budget bezahlt, oder aus einem Gesamt-Budget finanziert – das Geld ist immer ausgegebenes Geld des gleichen Unternehmens. Wenn damit die „Markt-Regulierungs-Idee“ wegfällt, muss L&D auf andere Weise ständig neu den Wert seiner Dienstleistungen bei den Stakeholdern darstellen. Die alten Messgrößen „Teilnehmertage“ oder „Teilnehmerstunden“ sind ja ohnehin schon heute nicht mehr zielführend. Die bisher nicht mögliche ROI-Berechnung wird auch in jedem neuen L&D Finanzierungs-Modell unmöglich sein. Vielleicht muss man die künftige L&D-Rolle eher als eine Infrastruktur-Aufgabe für die Lernende Organisation begründen.

Ein anderes Finanzierungsmodell – vielleicht so etwas wie eine unternehmensinterne GEZ-Gebühr je Mitarbeiter – würde auch die Sorge mildern, neue Lernformen könnten das bisher gut laufende Präsenzkurs-Geschäft kannibalisieren. Erst dann wird man bereit sein, Teilnehmende zu Teilgebenden zu machen. Das wäre ein gutes Zeichen für Veränderungen im Mindset der L&D-Akteure.

Bild: AlexanderStein bei https://pixabay.com/de/

Fazit:

Wer selbstgesteuertes Lernen unterstützen will, kann seine Dienstleistungen nicht nach Inanspruchnahme je Teilnehmer abrechnen. Eine pauschale Finanzierung ist dafür nötig. Vergleichbare Finanzierungen gibt es bei der IT. Damit fällt die Nachfrage-Regulierung weg und die Geldgeber müssen auf andere Weise überzeugt werden, um das Budget für die Infrastruktur für die Lernende Organisation bereitzustellen.

 

Dieser Blogpost erschien zuerst auf dem Blog der Corporate Learning Community.

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Lernevents für selbstgesteuerte Kompetenzentwicklung

19. October 2017 - 21:32

Zwei große Lernevents der Corporate Learning Community, das Corporate Learning Camp (CLC17) und der Corporate Learning 2025 MOOCathoon (CL2025) sind gerade vorbei. Neben der lesbaren, spürbaren und hörbaren Begeisterung der “Teilgebenden” fällt auf, dass beide Events viele Herausforderungen bereitstellten, die man durch Annehmen für die eigene Kompetenzentwicklung nutzen konnte. Vielleicht ist das ja der entscheidende Unterschied zu von Trainern angeleiteten Lernevents.

CL2025 und CLC17

Kurz zur Erläuterung: Der CL2025 war ein cMOOC (Massive Open Online Course) nach dem Modell des Konnektivismus (c= Connectivism). Hier gibt es keine Lehrenden, nur einen Veranstalter, der den Rahmen für einen Austausch unter Interessierten zu einem Thema schafft. „Das Wissen ist im Netzwerk, und Lernen ist die Fähigkeit, Verbindungen zu den Wissens-Knoten zu schaffen“ ist das gedankliche Grundprinzip des Konnektivismus. Also kommt es auf die Interessierten an, die hier ihr Wissen und ihre Quellen einbringen, und in den Austausch mit anderen treten. „Teilgebende“ ist der dafür zutreffende Begriff.

Das CLC17 ist ein typisches BarCamp, dass nach einem ähnlichen Prinzip läuft. Die Agenda wird morgens gemeinsam im Plenum erstellt – ausschließlich mit den Vorschlägen aus dem Plenum. Und in den 45-Minuten-Sessions wird das von den Teilgebenden eingebrachte Wissen genutzt.

Selbststeuerung als Prinzip

Jeder Teilgebende dieser Events hat jederzeit die volle Handlungsfreiheit. Teilgebende entscheiden selber, ob sie eine Session anbieten, ob sie in eine – und in welche Session – gehen, ob sie nur zuhören wollen, oder ob sie sich aktiv an der Diskussion beteiligen. Selbst während einer Session darf man entscheiden, die Session zu verlassen. Teilgebende gestalten damit ihren Tagesablauf selbst – und sie steuern ihr Engagement selber. Und das wirkt auch wieder auf die Anderen: Wenn viele Sessions angeboten werden gibt es viele Wahlmöglichkeiten und wenn viel diskutiert wird, erlebt man viele unterschiedliche Perspektiven. Spätestens hier wird klar, wie komplex Lernevents solcher Art sind. Selbststeuerung der Teilgebenden scheint mir auch die einzige Möglichkeit, solch komplexe Situationen überhaupt „beherrschbar“ zu machen.

Wie entwickeln Teilgebende dabei Kompetenz?

Beide Veranstaltungen sind „inhaltslos“, bevor sie starten. Sie müssen durch Teilgebende gestaltet werden. Das ist schon die erste Herausforderung, die Einzelne annehmen können oder auch nicht. Das Annehmen von Herausforderungen ist immer der erste Schritt zum Lernen. Und wenn die Herausforderung gleich ein Handeln in der Echt-Situation fordert, dann ist das die Chance zur Entwicklung eigener Kompetenz, die ja nur durch Handeln entwickelt werden kann. Die Vielfalt der Herausforderungen für Teilgebende, hier nur kurz angerissen:

  • Biete ich eine Session an?
  • Kommentiere ich Beiträge von anderen?
  • Gebe ich eigene Erfahrungen oder Meinungen wieder?
  • Bereite ich eigene Beispiele für andere auf (Video, Podcast, Powerpoint, …)?
  • Bringe ich relevante Quellen ein (Links, Bücher, Dokumente, …)?
  • Gehe ich auf Kritik ein?
  • Entwickle ich Gedanken von anderen weiter?
  • Überzeuge ich andere zum Mit-Netzwerken?
  • Berichte ich in sozialen Medien (Twitter, Facebook, …)?
  • Schreibe ich einen Blogpost zum Thema?
  • Rege ich eine Lerngruppe (Community) an, oder beteilige ich mich aktiv?
  • Fasse ich Diskussionen oder Posts für alle anderen zusammen?
  • Unterstütze ich bei den technischen Rahmenbedingungen (Plattform, Foren, Live-Übertragungen, …)?
  • Interviewe ich einen interessant Beitragenden (Video, Podcast, …)?
  • Organisiere ich eine Gesprächsrunde zum Thema mit Aufzeichnung?

Veranstalter solcher Lern-Events können neben den notwendigen Rahmenbedingungen Anzahl und Art der möglichen Herausforderungen für die Teilgebenden in den Blick nehmen. Auf meine Frage in BarCamps: „Wärst Du bereit, den Sessiongeber zu seiner Session kurz vor der Video-Kamera zu interviewen?“ bekomme ich praktisch nie eine Absage, obwohl das für die meisten völlig ungewohnt ist. Sie nehmen diese Herausforderung spontan an. Mit solch vielfältigen – und frei wählbaren – Herausforderungen wird aus meiner Sicht mehr Kompetenz entwickelt, als in vielen klassischen Seminaren.

Dazu ist immer auch die Freiheit nötig, so etwas ohne Nachfragen einfach mal in die Hand zu nehmen, also einfach zu machen. Diesen großen Freiraum geben nur selbstorganisierte Lern-Veranstaltungen. Man stelle sich nur vor, ein Seminar-Teilnehmer sucht im Seminar Gesprächsteilnehmer für eine nicht geplante Podiumsdiskussion. Angeleitete Lernevents sehen solche Eigeninitiativen kaum vor. Wenn man diese Freiheit zulässt, selber aktiv zu werden, selbstorganisiert zu handeln, dann wird das auch von fast allen genutzt, wie nicht nur die beiden o.g. Lern-Events beweisen. Und zudem entsteht echte Begeisterung. Gute Voraussetzungen für intrinsisch motiviertes Lernen!

Corporate Learning Camp 2017 in der Fachhochschule Frankfurt (Universty of Apllied Sciences) in Frankfurt am Main am 28.09.2017. Foto Frank Rumpenhorst

Dieser Beitrag wurde zuerst veröffentlicht auf https://colearn.de/, der Webseite der Corporate Learning Community.

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Rückblick auf den Corporate Learning 2025 MOOCathon als Lernevent

13. September 2017 - 21:13

Der große Lernevent „Corporate Learning 2025 MOOCathon – Learning & Development in the Digital Age“ ist mit dem Hackathon am 7./8. September 2017 erfolgreich zu Ende gegangen. Zwei Gefühle löst das gleichzeitig bei mir als Mitveranstalter aus: Erleichterung (es ist geschafft) und schade, das war doch so inspirierend – und vor allem nett. Ja, die vielen begeisterten Rückmeldungen und Kommentare versprühen irgendwie Energie, die man gern aufnimmt, und die auch mich wohltuend stärkt. Auch das ist eine Wirkung von Communities, von Netzwerken, die bisher kaum thematisiert wird.

In diesem Blogpost geht es um die Lern-Wirkung solcher Events (Der Blogpost erschien am 10. September 2017 bereits auf colearn.de):

Der CL2025 ist nun offiziell beendet. 32 Experten aus verschiedenen Organisationen haben sich 2 Tage lang zu einem Hackathon in Frankfurt eingeschlossen, um das Ergebnis in einem Wikibook von maximal 60 Seiten zu präsentieren. Sie haben es sogar noch knapper geschafft!

Ein Beitrag geteilt von Simon Dueckert (@colearn) am 8. Sep 2017 um 6:41 Uhr

Am Ende des Hackathon gab es große Zustimmung unter den begeisterten „Hackern“, dass sie auch in diesen 2 Tagen ganz viel gelernt hätten, und der Hackathon für sie ein Lernevent war. Dabei haben eigentlich alle nur getextet und einige ein wenig gezeichnet. Im Büro würden wir sagen: Sie haben ganz normal gearbeitet.

Wann wird Arbeit also zum Lernevent? Was unterscheidet einen Lernevent von normaler Arbeit? Was macht ihn zum Lernevent? Diese Fragen möchte ich gern noch ein wenig bewegen, aber erst noch:

Ein paar Fakten zum Corporate Learning 2025 MOOCathon

Am letzten Donnerstag und Freitag wurde der CL2025 MOOCathon mit dem geplanten Hackathon abgeschlossen. In einem Wikibook ist jetzt das Ergebnis des gesamten MOOCathons auf 44 Seiten zusammengefasst. Beim Corporate Learning 2025 MOOC waren 1200 Angemeldete beteiligt, und eine unbekannte Zahl von Mitlesenden ohne Anmeldung. Die 1060 Diskussionen und alle Beiträge stehen ja auch weiterhin auf öffentlich zugänglichen Plattformen, wie z.B. dem Colearn.de-Blog, Disqus und Youtube. Zusätzlich haben sich 22 Lerngruppen öffentlich als solche geoutet, davon 7 als Working Out Loud-Lerngruppen.

Am Ende gab es 30 abgegebene Abschlußarbeiten die nach der Future Backwards Methode 5 Fragen aus ihrer persönlichen Sicht beantworteten. Und in einer Abschlussbefragung, die sich Faktencheck nannte, wurden nochmal 117 tatsächliche Situationen und erwartete Entwicklungen sichtbar.

Schon während des MOOCs gab es Teilgebende, die wöchentliche Twitter-Zusammenfassungen machten, oder ihre Eindrücke in Blogs zusammenfassten: Das hat Joachim Niemeier hier auf der Startseite unter „Rückblick“ weitgehend zusammengefasst. Und nach dem MOOC gab es wieder viele Teilgebende, die vorbereitend für den Hackathon Zusammenfassungen der Wochen und der Abschlussarbeiten übernommen haben.

Das ist aber nur der öffentlich sichtbare Teil von konkreter Beschäftigung mit dem Thema „L&D in the Digital Age“. Jede persönliche Diskussion, jedes Mitlesen, jedes Nachdenken – das alles ist nicht erfassbar, und wird vermutlich die Zahlen oben noch deutlich übersteigen.

Aber warum ist der CL2025 ein Lernevent?

Ihm fehlen fast alle Kennzeichen dafür:

  • Es gab keine Lernziele, nicht einmal einen Gedanken daran – zumindest bei den Veranstaltern, dem Kernteam der Corporate Learning Community
  • Es gab nur ganz wenige Regeln (Start am Montag, Abschluss-Session live am Freitag), und sonst kein didaktisches Konzept für die Gestaltung des Lernprozesses. Ohne Lernziele ist das ja auch nicht möglich.
  • Über Zielgruppen haben wir nur ganz am Anfang nachgedacht, fürs Bekanntgeben des CL2025. Und da schwebten uns ganz bewusst möglichst viele verschiedene Funktionen aus Unternehmen vor, damit nicht nur die Corporate Learning Profis unter sich bleiben. Also eigentlich hatten wir auch keine richtige Zielgruppen-Begrenzung.
  • Es gab auch niemanden, der das Wissen hatte, dass man hätte aufbereiten können. Wer kann schon sagen, wie Corporate Learning in 2025 aussehen wird?
  • Wir waren uns auch klar darüber, dass wir gar nicht wissen, wie der MOOCathon ablaufen wird, was zum Thema werden wird, und was am Ende dabei herauskommt. Wir haben die Gestaltung der 8 Themen-Wochen ja sogar vollkommen aus der Hand gegeben an Teams in verschiedenen Unternehmen.

Und trotzdem haben wir ganz viele begeisterte und dankbare Rückmeldungen bekommen, die alle von großen Lernerfolgen berichten! An der Stelle auch einmal ein herzliches Dankeschön dafür! Das ist ja nicht selbstverständlich bei Lern-Veranstaltungen. Dabei haben wir eigentlich nur den Rahmen dafür bereitgestellt, dass Lernen offensichtlich auf ganz andere Weise stattfinden konnte.

Warum begeisterte Lernen hier anders als in klassischen Lernevents?

Aus meiner Sicht sind es zwei Schlüsselfaktoren, die zu so intensiven und dabei noch motivierenden Lernerfahrungen führen: Das Prinzip Selbstorganisation und das hierarchiefreie Arbeiten im Netzwerk.

Selbstorganisation: Jeder kann vollkommen frei entscheiden

  • ob er mitmacht oder nicht
  • wo er einsteigt und wo er wieder aussteigt
  • ob er sich nur lesend beteiligt oder ob er sich auch in die Diskussion einbringt
  • ob er eine Diskussion startet oder ober er nur kommentiert
  • ob er die eine oder die andere Woche auslässt
  • wieviel Zeit er wann und wo dafür aufbringen will
  • ob er eine Lerngruppe starten will oder ob er sich einer anschließt

Im Netzwerk arbeiten:

  • Man kommuniziert auf gleicher Augenhöhe (Wir Veranstalter haben die Kommunikation auf der Du-Ebene einfach vorgemacht, die dann auch weitgehend von allen übernommen wurde). Es ist egal, ob jemand Geschäftsführer, Personalleiter, IT- oder Akademie-Leiter, Trainer, Praktikant oder Student ist. Das was zählt sind Beiträge.
  • Den Umgang in wertschätzendem Ton haben alle gepflegt – mir ist diesmal nicht eine Ausnahme bekannt geworden. Bei netten Rückmeldungen entsteht auch bald Begeisterung, das spornt noch mehr an.
  • Nicht nur virtuelle Netzwerke sind entstanden, auch reale in Form der Lern- und Arbeitsgruppen, siehe oben. Übrigens auch alles selbstorganisiert!
  • Im Netzwerk gibt es die Grundregel, das was jemand schreibt ist richtig und gut überlegt. Das braucht keine Kontrolle mehr. Das ist entgegengebrachtes Vertrauen und Zutrauen zugleich. Das ermutigt und überträgt Verantwortung. Offenbar war das bei den vielen Diskutanten die richtige herausfordernde Mischung.
Trotzdem: Eigentlich haben alle nur an einem Thema gearbeitet. Weshalb war das Lernen?

Vielleicht müssen wir unsere Vorstellung von Lernen drastisch revidieren. Lernen ist nicht etwas vom üblichen Leben und Arbeiten Getrenntes. Lernen braucht keinen Lehrplan. Lernen findet einfach statt, wenn wir etwas tun, was noch keine Routine für uns ist. Und für dieses Tun benötigen wir lediglich ein persönliches Ziel, dass wir erreichen wollen. Das darf natürlich bei jedem ganz unterschiedlich sein. Schließlich haben ja nie zwei die gleichen Vorerfahrungen und selten das gleiche Ziel.

Jetzt werden viele Einwände kommen, so könne man das aber nicht den Mitarbeitern überlassen, was sie lernen wollen und was nicht. Warum eigentlich nicht? Mitarbeiter haben Ziele in ihrer Organisation zu erreichen. Wer diese eigenen Ziele kennt, der weiß auch wo er noch nicht fit ist, und wird sich genau dort interessieren. Wenn es für ihn hilfreich ist, wird er sich dort engagieren. Da bin ich ganz sicher. Der MOOCathon mit dem Hackathon bestätigt mich erneut in der Annahme, das Lernen so frei und selbstgesteuert ablaufen darf – bei vermutlich sogar besseren Ergebnissen.

An dieser Stelle einen ganz besonderen und herzlichen Dank an
  • die 8 wochengestaltenden Unternehmens-Teams von Merck, Continental, Ottobock, DNV Oil & Gas, Viessmann, Aareal-Bank, Bosch und Audi!
    Ihr habt alle einen fantastischen Job gemacht, obwohl das für Euch alle Neuland war.
  • die vielen öffentlich Diskutierenden, die 1060 Beiträge lieferten!
  • die vielen Helfer und Unterstützer, die z.B. bei technischen Problemen halfen, Zusammenfassungen erstellten, oder Lerngruppen bildeten!
  • Die Kolleginnen und Kollegen im CLC-Kernteam, die den Rahmen dafür geschaffen haben!
    Und hier muss ein ganz besonderer Dank an Simon Dückert gehen, der nicht nur die technische öffentliche Infrastruktur für den CL2025 konzipiert und stetig optimiert hat, sondern auch den Hackathon zu einem handfesten Erfolg führte: 2 gedruckte Exemplare lagen bereits am Freitag, 8.9.2017 beim Hackathon-Abschluss vor!

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