auf dem Weg zu einem neuen Bildungssystem

 

Bilder des Trostes, H wie Habicht

geistundgegenwart.de - PhilosophieCoaching - 22. October 2017 - 12:47
Das Finden und Verlieren der Wildheit in der NaturDie allerkleinsten und die allergrößten Dinge gehen gerade irgendwie kaputt. In unseren Böden gibt es kaum noch Insekten und an den Polen schmelzen unvorstellbar riesige Eismassen. Und zwischendrin bemühem wir uns darum, Pandas zu züchten und Seeadler wieder anzusiedeln. "... da draußen gibt es eine Welt der Dinge – Felsen und Bäume und Steine...

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Lernevents für selbstgesteuerte Kompetenzentwicklung

Zwei große Lernevents der Corporate Learning Community, das Corporate Learning Camp (CLC17) und der Corporate Learning 2025 MOOCathoon (CL2025) sind gerade vorbei. Neben der lesbaren, spürbaren und hörbaren Begeisterung der “Teilgebenden” fällt auf, dass beide Events viele Herausforderungen bereitstellten, die man durch Annehmen für die eigene Kompetenzentwicklung nutzen konnte. Vielleicht ist das ja der entscheidende Unterschied zu von Trainern angeleiteten Lernevents.

CL2025 und CLC17

Kurz zur Erläuterung: Der CL2025 war ein cMOOC (Massive Open Online Course) nach dem Modell des Konnektivismus (c= Connectivism). Hier gibt es keine Lehrenden, nur einen Veranstalter, der den Rahmen für einen Austausch unter Interessierten zu einem Thema schafft. „Das Wissen ist im Netzwerk, und Lernen ist die Fähigkeit, Verbindungen zu den Wissens-Knoten zu schaffen“ ist das gedankliche Grundprinzip des Konnektivismus. Also kommt es auf die Interessierten an, die hier ihr Wissen und ihre Quellen einbringen, und in den Austausch mit anderen treten. „Teilgebende“ ist der dafür zutreffende Begriff.

Das CLC17 ist ein typisches BarCamp, dass nach einem ähnlichen Prinzip läuft. Die Agenda wird morgens gemeinsam im Plenum erstellt – ausschließlich mit den Vorschlägen aus dem Plenum. Und in den 45-Minuten-Sessions wird das von den Teilgebenden eingebrachte Wissen genutzt.

Selbststeuerung als Prinzip

Jeder Teilgebende dieser Events hat jederzeit die volle Handlungsfreiheit. Teilgebende entscheiden selber, ob sie eine Session anbieten, ob sie in eine – und in welche Session – gehen, ob sie nur zuhören wollen, oder ob sie sich aktiv an der Diskussion beteiligen. Selbst während einer Session darf man entscheiden, die Session zu verlassen. Teilgebende gestalten damit ihren Tagesablauf selbst – und sie steuern ihr Engagement selber. Und das wirkt auch wieder auf die Anderen: Wenn viele Sessions angeboten werden gibt es viele Wahlmöglichkeiten und wenn viel diskutiert wird, erlebt man viele unterschiedliche Perspektiven. Spätestens hier wird klar, wie komplex Lernevents solcher Art sind. Selbststeuerung der Teilgebenden scheint mir auch die einzige Möglichkeit, solch komplexe Situationen überhaupt „beherrschbar“ zu machen.

Wie entwickeln Teilgebende dabei Kompetenz?

Beide Veranstaltungen sind „inhaltslos“, bevor sie starten. Sie müssen durch Teilgebende gestaltet werden. Das ist schon die erste Herausforderung, die Einzelne annehmen können oder auch nicht. Das Annehmen von Herausforderungen ist immer der erste Schritt zum Lernen. Und wenn die Herausforderung gleich ein Handeln in der Echt-Situation fordert, dann ist das die Chance zur Entwicklung eigener Kompetenz, die ja nur durch Handeln entwickelt werden kann. Die Vielfalt der Herausforderungen für Teilgebende, hier nur kurz angerissen:

  • Biete ich eine Session an?
  • Kommentiere ich Beiträge von anderen?
  • Gebe ich eigene Erfahrungen oder Meinungen wieder?
  • Bereite ich eigene Beispiele für andere auf (Video, Podcast, Powerpoint, …)?
  • Bringe ich relevante Quellen ein (Links, Bücher, Dokumente, …)?
  • Gehe ich auf Kritik ein?
  • Entwickle ich Gedanken von anderen weiter?
  • Überzeuge ich andere zum Mit-Netzwerken?
  • Berichte ich in sozialen Medien (Twitter, Facebook, …)?
  • Schreibe ich einen Blogpost zum Thema?
  • Rege ich eine Lerngruppe (Community) an, oder beteilige ich mich aktiv?
  • Fasse ich Diskussionen oder Posts für alle anderen zusammen?
  • Unterstütze ich bei den technischen Rahmenbedingungen (Plattform, Foren, Live-Übertragungen, …)?
  • Interviewe ich einen interessant Beitragenden (Video, Podcast, …)?
  • Organisiere ich eine Gesprächsrunde zum Thema mit Aufzeichnung?

Veranstalter solcher Lern-Events können neben den notwendigen Rahmenbedingungen Anzahl und Art der möglichen Herausforderungen für die Teilgebenden in den Blick nehmen. Auf meine Frage in BarCamps: „Wärst Du bereit, den Sessiongeber zu seiner Session kurz vor der Video-Kamera zu interviewen?“ bekomme ich praktisch nie eine Absage, obwohl das für die meisten völlig ungewohnt ist. Sie nehmen diese Herausforderung spontan an. Mit solch vielfältigen – und frei wählbaren – Herausforderungen wird aus meiner Sicht mehr Kompetenz entwickelt, als in vielen klassischen Seminaren.

Dazu ist immer auch die Freiheit nötig, so etwas ohne Nachfragen einfach mal in die Hand zu nehmen, also einfach zu machen. Diesen großen Freiraum geben nur selbstorganisierte Lern-Veranstaltungen. Man stelle sich nur vor, ein Seminar-Teilnehmer sucht im Seminar Gesprächsteilnehmer für eine nicht geplante Podiumsdiskussion. Angeleitete Lernevents sehen solche Eigeninitiativen kaum vor. Wenn man diese Freiheit zulässt, selber aktiv zu werden, selbstorganisiert zu handeln, dann wird das auch von fast allen genutzt, wie nicht nur die beiden o.g. Lern-Events beweisen. Und zudem entsteht echte Begeisterung. Gute Voraussetzungen für intrinsisch motiviertes Lernen!

Corporate Learning Camp 2017 in der Fachhochschule Frankfurt (Universty of Apllied Sciences) in Frankfurt am Main am 28.09.2017. Foto Frank Rumpenhorst

Dieser Beitrag wurde zuerst veröffentlicht auf https://colearn.de/, der Webseite der Corporate Learning Community.

Der Beitrag Lernevents für selbstgesteuerte Kompetenzentwicklung erschien zuerst auf Corporate Learning - Training und Wissensmanagement.

Auf in eine horizontale Transzendenz!

geistundgegenwart.de - PhilosophieCoaching - 2. October 2017 - 23:45
Pankaj Mishras apokalyptisch-hoffnungsvolle VisionWir als westliche Zivilisation sind in einer tiefen Krise. Weltanschaulich haben wir keinen lockenden Horizont mehr; die Grenzen des Erkundbaren sind verschwunden, die Erde ist auch in dieser Hinsicht zur Kugel geworden. Politisch kommen nationalistische Idiotien zurück, wie wir sie im 20. Jahrhundert glaubten, überwunden zu haben. Ökonomische und...

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Von der Würde im Alltag

Das Gefühl, dass irgendetwas nicht stimmt Ein Artikel von Thomas Marti Für jeden Menschen ist es wichtig, dass er selber Entscheidungen treffen kann. Abhängigkeit von anderen Menschen fühlt sich unangenehm an. Menschen haben grundsätzlich das Bestreben, solche Situationen zu vermeiden, oder ihnen aus dem Weg zu gehen. Unabhängigkeit und Selbstständigkeit ist ein hohes Gut. Wenn der Schweizer...

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Arbeit und das Recht auf die eigene Persönlichkeit

geistundgegenwart.de - PhilosophieCoaching - 16. September 2017 - 11:53
Zur Insel-Sensibilität für das Thema Introversion Gestern erschien in der Zeitung Die Welt der Artikel So starten introvertierte Mitarbeiter im Job richtig durch, für den man mich interviewt hatte. Leider war die Zeitung weder in der Lage, mir ein Belegexemplar zur Verfügung zu stellen, noch mir wenigstens rechtszeitig ein PDF zuzusenden. Meinen Versuch, ein Online-Abo abzuschließen habe ich an...

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Rückblick auf den Corporate Learning 2025 MOOCathon als Lernevent

Der große Lernevent „Corporate Learning 2025 MOOCathon – Learning & Development in the Digital Age“ ist mit dem Hackathon am 7./8. September 2017 erfolgreich zu Ende gegangen. Zwei Gefühle löst das gleichzeitig bei mir als Mitveranstalter aus: Erleichterung (es ist geschafft) und schade, das war doch so inspirierend – und vor allem nett. Ja, die vielen begeisterten Rückmeldungen und Kommentare versprühen irgendwie Energie, die man gern aufnimmt, und die auch mich wohltuend stärkt. Auch das ist eine Wirkung von Communities, von Netzwerken, die bisher kaum thematisiert wird.

In diesem Blogpost geht es um die Lern-Wirkung solcher Events (Der Blogpost erschien am 10. September 2017 bereits auf colearn.de):

Der CL2025 ist nun offiziell beendet. 32 Experten aus verschiedenen Organisationen haben sich 2 Tage lang zu einem Hackathon in Frankfurt eingeschlossen, um das Ergebnis in einem Wikibook von maximal 60 Seiten zu präsentieren. Sie haben es sogar noch knapper geschafft!

Ein Beitrag geteilt von Simon Dueckert (@colearn) am 8. Sep 2017 um 6:41 Uhr

Am Ende des Hackathon gab es große Zustimmung unter den begeisterten „Hackern“, dass sie auch in diesen 2 Tagen ganz viel gelernt hätten, und der Hackathon für sie ein Lernevent war. Dabei haben eigentlich alle nur getextet und einige ein wenig gezeichnet. Im Büro würden wir sagen: Sie haben ganz normal gearbeitet.

Wann wird Arbeit also zum Lernevent? Was unterscheidet einen Lernevent von normaler Arbeit? Was macht ihn zum Lernevent? Diese Fragen möchte ich gern noch ein wenig bewegen, aber erst noch:

Ein paar Fakten zum Corporate Learning 2025 MOOCathon

Am letzten Donnerstag und Freitag wurde der CL2025 MOOCathon mit dem geplanten Hackathon abgeschlossen. In einem Wikibook ist jetzt das Ergebnis des gesamten MOOCathons auf 44 Seiten zusammengefasst. Beim Corporate Learning 2025 MOOC waren 1200 Angemeldete beteiligt, und eine unbekannte Zahl von Mitlesenden ohne Anmeldung. Die 1060 Diskussionen und alle Beiträge stehen ja auch weiterhin auf öffentlich zugänglichen Plattformen, wie z.B. dem Colearn.de-Blog, Disqus und Youtube. Zusätzlich haben sich 22 Lerngruppen öffentlich als solche geoutet, davon 7 als Working Out Loud-Lerngruppen.

Am Ende gab es 30 abgegebene Abschlußarbeiten die nach der Future Backwards Methode 5 Fragen aus ihrer persönlichen Sicht beantworteten. Und in einer Abschlussbefragung, die sich Faktencheck nannte, wurden nochmal 117 tatsächliche Situationen und erwartete Entwicklungen sichtbar.

Schon während des MOOCs gab es Teilgebende, die wöchentliche Twitter-Zusammenfassungen machten, oder ihre Eindrücke in Blogs zusammenfassten: Das hat Joachim Niemeier hier auf der Startseite unter „Rückblick“ weitgehend zusammengefasst. Und nach dem MOOC gab es wieder viele Teilgebende, die vorbereitend für den Hackathon Zusammenfassungen der Wochen und der Abschlussarbeiten übernommen haben.

Das ist aber nur der öffentlich sichtbare Teil von konkreter Beschäftigung mit dem Thema „L&D in the Digital Age“. Jede persönliche Diskussion, jedes Mitlesen, jedes Nachdenken – das alles ist nicht erfassbar, und wird vermutlich die Zahlen oben noch deutlich übersteigen.

Aber warum ist der CL2025 ein Lernevent?

Ihm fehlen fast alle Kennzeichen dafür:

  • Es gab keine Lernziele, nicht einmal einen Gedanken daran – zumindest bei den Veranstaltern, dem Kernteam der Corporate Learning Community
  • Es gab nur ganz wenige Regeln (Start am Montag, Abschluss-Session live am Freitag), und sonst kein didaktisches Konzept für die Gestaltung des Lernprozesses. Ohne Lernziele ist das ja auch nicht möglich.
  • Über Zielgruppen haben wir nur ganz am Anfang nachgedacht, fürs Bekanntgeben des CL2025. Und da schwebten uns ganz bewusst möglichst viele verschiedene Funktionen aus Unternehmen vor, damit nicht nur die Corporate Learning Profis unter sich bleiben. Also eigentlich hatten wir auch keine richtige Zielgruppen-Begrenzung.
  • Es gab auch niemanden, der das Wissen hatte, dass man hätte aufbereiten können. Wer kann schon sagen, wie Corporate Learning in 2025 aussehen wird?
  • Wir waren uns auch klar darüber, dass wir gar nicht wissen, wie der MOOCathon ablaufen wird, was zum Thema werden wird, und was am Ende dabei herauskommt. Wir haben die Gestaltung der 8 Themen-Wochen ja sogar vollkommen aus der Hand gegeben an Teams in verschiedenen Unternehmen.

Und trotzdem haben wir ganz viele begeisterte und dankbare Rückmeldungen bekommen, die alle von großen Lernerfolgen berichten! An der Stelle auch einmal ein herzliches Dankeschön dafür! Das ist ja nicht selbstverständlich bei Lern-Veranstaltungen. Dabei haben wir eigentlich nur den Rahmen dafür bereitgestellt, dass Lernen offensichtlich auf ganz andere Weise stattfinden konnte.

Warum begeisterte Lernen hier anders als in klassischen Lernevents?

Aus meiner Sicht sind es zwei Schlüsselfaktoren, die zu so intensiven und dabei noch motivierenden Lernerfahrungen führen: Das Prinzip Selbstorganisation und das hierarchiefreie Arbeiten im Netzwerk.

Selbstorganisation: Jeder kann vollkommen frei entscheiden

  • ob er mitmacht oder nicht
  • wo er einsteigt und wo er wieder aussteigt
  • ob er sich nur lesend beteiligt oder ob er sich auch in die Diskussion einbringt
  • ob er eine Diskussion startet oder ober er nur kommentiert
  • ob er die eine oder die andere Woche auslässt
  • wieviel Zeit er wann und wo dafür aufbringen will
  • ob er eine Lerngruppe starten will oder ob er sich einer anschließt

Im Netzwerk arbeiten:

  • Man kommuniziert auf gleicher Augenhöhe (Wir Veranstalter haben die Kommunikation auf der Du-Ebene einfach vorgemacht, die dann auch weitgehend von allen übernommen wurde). Es ist egal, ob jemand Geschäftsführer, Personalleiter, IT- oder Akademie-Leiter, Trainer, Praktikant oder Student ist. Das was zählt sind Beiträge.
  • Den Umgang in wertschätzendem Ton haben alle gepflegt – mir ist diesmal nicht eine Ausnahme bekannt geworden. Bei netten Rückmeldungen entsteht auch bald Begeisterung, das spornt noch mehr an.
  • Nicht nur virtuelle Netzwerke sind entstanden, auch reale in Form der Lern- und Arbeitsgruppen, siehe oben. Übrigens auch alles selbstorganisiert!
  • Im Netzwerk gibt es die Grundregel, das was jemand schreibt ist richtig und gut überlegt. Das braucht keine Kontrolle mehr. Das ist entgegengebrachtes Vertrauen und Zutrauen zugleich. Das ermutigt und überträgt Verantwortung. Offenbar war das bei den vielen Diskutanten die richtige herausfordernde Mischung.
Trotzdem: Eigentlich haben alle nur an einem Thema gearbeitet. Weshalb war das Lernen?

Vielleicht müssen wir unsere Vorstellung von Lernen drastisch revidieren. Lernen ist nicht etwas vom üblichen Leben und Arbeiten Getrenntes. Lernen braucht keinen Lehrplan. Lernen findet einfach statt, wenn wir etwas tun, was noch keine Routine für uns ist. Und für dieses Tun benötigen wir lediglich ein persönliches Ziel, dass wir erreichen wollen. Das darf natürlich bei jedem ganz unterschiedlich sein. Schließlich haben ja nie zwei die gleichen Vorerfahrungen und selten das gleiche Ziel.

Jetzt werden viele Einwände kommen, so könne man das aber nicht den Mitarbeitern überlassen, was sie lernen wollen und was nicht. Warum eigentlich nicht? Mitarbeiter haben Ziele in ihrer Organisation zu erreichen. Wer diese eigenen Ziele kennt, der weiß auch wo er noch nicht fit ist, und wird sich genau dort interessieren. Wenn es für ihn hilfreich ist, wird er sich dort engagieren. Da bin ich ganz sicher. Der MOOCathon mit dem Hackathon bestätigt mich erneut in der Annahme, das Lernen so frei und selbstgesteuert ablaufen darf – bei vermutlich sogar besseren Ergebnissen.

An dieser Stelle einen ganz besonderen und herzlichen Dank an
  • die 8 wochengestaltenden Unternehmens-Teams von Merck, Continental, Ottobock, DNV Oil & Gas, Viessmann, Aareal-Bank, Bosch und Audi!
    Ihr habt alle einen fantastischen Job gemacht, obwohl das für Euch alle Neuland war.
  • die vielen öffentlich Diskutierenden, die 1060 Beiträge lieferten!
  • die vielen Helfer und Unterstützer, die z.B. bei technischen Problemen halfen, Zusammenfassungen erstellten, oder Lerngruppen bildeten!
  • Die Kolleginnen und Kollegen im CLC-Kernteam, die den Rahmen dafür geschaffen haben!
    Und hier muss ein ganz besonderer Dank an Simon Dückert gehen, der nicht nur die technische öffentliche Infrastruktur für den CL2025 konzipiert und stetig optimiert hat, sondern auch den Hackathon zu einem handfesten Erfolg führte: 2 gedruckte Exemplare lagen bereits am Freitag, 8.9.2017 beim Hackathon-Abschluss vor!

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Vom Wesen der Heilung

Urs Weth - Blog:Sinnfragen - 12. September 2017 - 17:06

„Heilsam ist nur, wenn in der Menschenseele sich spiegelt die ganze Gemeinschaft und in der Gemeinschaft lebet der Einzelseele Kraft.“ Dieser Spruch Rudolf Steiners wird gebetsmühlenartig in tausenden von anthroposophischen Institutionen in der ganzen Welt, an vielen Sitzungen, Arbeitsgruppen usw. gelesen. Wie viel darin steckt, wird sich kaum jemand bewusst, der nicht in der Lage […]

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Die vergnügliche Verzweiflung am Sein

geistundgegenwart.de - PhilosophieCoaching - 9. September 2017 - 11:49
Vom Elend des Menschseins auf dem asketischen Stern»Elendes Eintagsgeschlecht, des Zufalls Kinder und der Mühsal, was zwingst du mich dir zu sagen, was nicht zu hören für dich das Erspriesslichste ist? Das Allerbeste ist für dich gänzlich unerreichbar: nicht geboren zu sein, nicht zu sein, nichts zu sein. Das Zweitbeste aber ist für dich – bald zu sterben«. (Silenos auf die Frage des Midas,...

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Zeit, Schönheit und Leben

geistundgegenwart.de - PhilosophieCoaching - 2. September 2017 - 8:00
Ein Artikel von Thomas MartiUnser Alltag ist voll von Zeitphänomenen, die unser Leben mehr oder minder beeinflussen: Langeweile, Öffnungszeiten, Jet-Lag, Rentenalter, Stress, Weihnachten, der Termin beim Zahnarzt usw. Unendlich viele Zeiten, alle mit ihren eigenen Rhythmen, Symbolen und Konnotationen durchdringen unser Leben. Wir können sogar gleichzeitig in verschiedenen Zeiten sein: Ich kann...

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Warum wir nur in der Beziehung zu anderen existieren

Freiheit und Zivilisation sind kein Widerspruch In den Kommentaren des Anfang August erschienenen Artikels Ist der Mensch von Natur aus gut oder böse? wurde ich auf meine zugegeben auf den ersten Blick steile These angesprochen, dass es uns nur in Relation zu anderen Menschen geben könne: "Bist Du echt der Meinung, dass es Dich nur im Außen und in Relation zu anderen Menschen gibt? Das ist...

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Leiden auf dem inneren Schulungsweg

Urs Weth - Blog:Sinnfragen - 22. August 2017 - 18:34

Spiel der Gedanken Solange wir am Inhalt der Gedanken verhaftet bleiben, können wir keine Intuition haben. Inhalt ist Wissen. Wissen ist Denkinhalt. Dieser Inhalt kann auf verschiedene Art gebildet werden. Der “Wissenspool“ wird aus verschiedenen Quellen gefüttert. Die unmittelbarste und effizienteste ist die Quelle der eigenen Erfahrung, die aus einer seelischen Erlebniswelt resultiert. Aber auch alle […]

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Vorurteile vs. Realität: Smartphones für Geflüchtete

Was bildet ihr uns ein ? - 21. August 2017 - 21:17

Neuland oder wichtige Orientierungshilfe – auch für Geflüchtete? Foto: „smartphone“ by sj carey/Flickr

Smartphones für Geflüchtete werden häufig als Luxus angesehen. Warum sie für diese unglaublich wichtig sind, und wie Smartphones die Integration fördern, darüber schreibt Elen Budinova.

Sie haben moderne Smartphones in der Hand, bessere als meins selbst. Warum sollte Deutschland sie willkommen heißen, staatliche Gelder in Integrationsprojekte und Finanzierungsquellen für Flüchtlinge stecken? Die Weltsicht von Asylgegner_innen speist sich häufig aus derartigen Vorwürfen. Bewundert und abgestempelt als Frechheit, Schamlosigkeit und Arroganz wird die Tatsache, dass so viele Geflüchtete Smartphones besitzen. So schlecht könne es ihnen gar nicht gehen, wenn sie sich auf Staatskosten ein Smartphone leisten könnten, meinen viele.

Schlechte Nachricht für alle Unterstützer von dieser Position: Ihre Kritik ist absurd. Der Grund dafür ist einfach: Smartphones sind zu einem festen Bestandteil des Alltags (auch) von Flüchtlinge geworden.  Sie dienen als Orientierungs-, Kommunikations- sowie Integrationsmedium. Smartphones sind Rettungsinstrumente, für viele Geflüchtete einen Computerersatz, der ihnen die Möglichkeit anbietet, Internetzugang zu bekommen.

Ist Internet ein unnötiger Luxus? Denkt nochmal nach. Heißt es Luxus, wenn dadurch von treueren Telefongespräche ins Ausland, öfters in Nicht-EU Krisengebiete oder von Lehr- und Informationsmaterialen für Integrationsziele durch Online-Angebote gespart wird?

Ist es luxuriös, wenn du mit Verwandten in Kontakt bleiben willst, wenn du ein Paar Fotos von deinen Lieblingsmenschen, die über tausende von Kilometern weit weg sind und um die du dir ständig Sorgen machst, geschickt bekommst? Sollte ein Smartphone in der Hand von Geflüchteten als unverschämtes Vergnügen betrachtet werden oder nicht eher als ein Instrument, das Distanz zu deiner Familie und Freunde überwindet, Integrationswege eröffnet und kostenlose Online-Maps, in neuen fremden Ländern zur Verfügung stellt?

Orientierung, Bildung und Integration

Flüchtlinge benutzen Smartphones auch um mit Einheimischen über Social Media-Plattformen in Kontakt zu treten. Facebookgruppen für Sprachtandems, Online-Sprachübungen und –Wörterbücher, WhatsApp- Erfahrungsaustausch mit anderen Geflüchteten bezüglich Integrationsstrategien und bürokratischen Richtlinien, Online-Portale für die Jobsuche – das sind nur einige Anwendungsmöglichkeiten. Smartphones dienen Flüchtlingen nicht nur der Suche nach Fluchtwegen auf der oft von vielen als höchst gefährlich empfundene Reise. Sie beschleunigen auch das Sprachlernen, geben die Chance, sich mehr über die Kultur im neuen Aufenthaltsort zu erkundigen und Freundschaften mit Menschen im Gastland zu beginnen. Demnach ist der Handybesitz sowohl für ihre physische Sicherheit auf der Flucht als auch für ihr psychisches Wohlfühlen im neuen Land angesichts des Integrationsschocks von äußerst positiver Bedeutung.

Dank des Kontakts zu mehreren Geflüchteten und ihren Familien auf Sprachtandemtreffen über mehr als zwei Jahren, konnte ich Einblick in ihren Alltag bekommen. Sie zeigten mir Fotos von ihren Nichten, Omas, Brüder, Freunde, Ehemännern. Ich habe ihnen von Online-Angeboten für die Wegfindung in Berlin wie bvg.de erzählt. Wir sind zusammen zu Museen und Galerien, die ich selbst noch nie davor besucht habe, gegangen sowie gemeinsame kulturelle Kochabende veranstaltet. Dabei verlief die ganze Organisation der Treffen über die Social Media.

Während unserer Sprachübungen haben sie ihre online-Wörterbücher benutzt sowie auf Universitäts- sowie Jobbörse-Webseiten über die Voraussetzungen für Bewerbungen gelesen. Ja, Bewerbungen, weil sie es nicht abwarten können, ihre Ausbildung oder professionelle Laufbahn im neuen Land fortzusetzen.

Leider nutzen offizielle Beratungsinstitutionen die große Palette an Möglichkeiten, die die digitale Informationswelt anbietet, noch nicht in ausreichendem Maße. Doch mehrere zivilgesellschaftliche Initiativen versuchen, durch ein Bottom-up Ansatz Flüchtlinge über ihre Beratungsbedürfnisse zu interviewen sowie ihre digitalen Vernetzungsmöglichkeiten zu verbessern.

Das Neuland als Chance nutzen

Zwei zentrale Probleme gibt es: Zum einen werden die meisten Beratungsangebote auf Deutsch oder Englisch bereitgestellt -zwei Fremdsprachen für die Flüchtlinge. Übersetzungen in ihre Muttersprachen, wie zum Beispiel Arabisch, sind entweder schwer zugänglich oder existieren überhaupt nicht. Zweitens, bestehen Unterschiede bezüglich der Benutzung von Smartphones je nach Alter und Geschlecht. Ältere Menschen können nicht immer so gut neue Technologien bedienen wie die digitalaffine Junggeneration. Für manche Frauen, die im Vergleich zu den Männern in ihren Heimatsländern nicht so aktiv auf dem Arbeitsmarkt waren, ist es auch etwas Neues, die Smartphones nicht nur als Kommunikations-, sondern auch zu Orientierungs- und Integrationszwecken zu nutzen. Statt die Smartphone Ausstattung von Geflüchteten zu kritisieren, sollte die Öffentlichkeit digitale Chancen für eine erfolgreiche und schnelle Integration wahrnehmen, Online-Beratungen erleichtern und damit zugänglich für alle Alters- und Gendergruppen gestalten.

Integration ist ein Prozess, bei dem sowohl die Einheimischen als auch Geflüchtete einen Kulturaustausch durchführen und dabei Spaß haben können. Sie können ihre Welt auch einmal mit den Augen Anderer betrachten. Integration bereichert. Smartphones bereichern die möglichen Wege zur Integration. Mehr noch, Integration heißt nicht Assimilation. Der Kontakt zur Familie und zum Freundschaftskreis, deren Mitglieder zumeist nicht alle am Aufenthaltsort sind, ist kein Luxusgut, sondern eine wichtige Möglichkeit, die niemandem beraubt werden sollte oder wegen derer keine unbegründeten Vorwürfe entstehen dürfen.

Elen Budinova kommt aus Bulgarien und studiert Internationale Beziehungen im Rahmen des gemeinsamen MA-Programms der Universitäten FU-; HU-Berlin sowie der Uni. Potsdam. Ihr Forschungsfokus fällt auf Sicherheitspolitik sowie regionale Politikanalyse mit dem Schwerpunkt auf dem post-sowjetischen Raum, dem Mittleren Osten und Nordafrika.

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Schönheit und Arbeit

geistundgegenwart.de - PhilosophieCoaching - 19. August 2017 - 19:13
Fantasie ist der größte Freund der Möglichkeit Der irische Dichter und Philosoph John O'Donohue sagte kurz vor seinem Tod im Jahr 2008, dass die sichtbare Landschaft gleichtzeitig ein Tor zum Unsichtbaren sei. Deshalb war die Schönheit der Landschaft für ihn so wichtig, weil sie ein Tor zur Schönheit in uns ist, zu einer Vorstellungskraft, einer Fantasie, die Gutes schaffen kann. Im...

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Partizipation und offene Lerninhalte: Vielfältige Lernformen nicht erwünscht oder nicht bekannt?

Was bildet ihr uns ein ? - 14. August 2017 - 22:13

Manchmal ist der Remix noch besser! Foto: (c) Flickr/trontnort

Bedeutet Partizipation von Schüler*innen oder Student*innen in einer digitalisierten Welt auch, Lerninhalte selbstständig bearbeiten und online teilen zu dürfen? Warum wird diese Möglichkeit des Wissensaustauschs kaum genutzt, gefördert oder ermöglicht? Open Educational Resources und freie Lizenzen bieten eine Lösung an, welche weltweit genutzt werden kann und neue Freiheiten bietet.

Partizipation ist ein großes Wort. Um besser zu analysieren, was jemand konkret damit meint, gibt es Stufenmodelle wie die Partizipationsleiter oder Intensitätsgrade von Partizipation.

Grafik „Partizipation in Unternehmen #innovation“ (CC BY-NC-SA 2.0) by Tanja FÖHR

Echte Partizipation beginnt an der Stelle, an welcher Personen gleichberechtigt teilhaben oder Verantwortung für Entscheidungen übertragen bekommen und nicht ausschließlich informiert oder alibimäßig um eine Stellungnahme gebeten werden, die keine Berücksichtigung findet.

Partizipation und Lernmaterial an Hochschulen?

Was hat Partizipation nun aber mit Lerninhalten wie Skripten, Texten oder Präsentationen zu tun, welche in Seminaren oder Vorlesungen an Hochschulen zur Verfügung gestellt werden?

Der Weg von angehenden Lehrer_innen beginnt mit dem Ende der eigenen Schulzeit und mit Anfang des Lehramtsstudiums. Früher wurden Lernmaterialien an Universitäten und Fachhochschulen als mehrseitige Kopiervorlagen im Copyshop oder in Semesterapparat-Regalen in der Bibliothek bereit gelegt, sodass sie am Kopierer von den Student_innen jeweils selber mühsam kopiert und abgeheftet werden konnten. Dank des World Wide Webs bleibt dies den Student_innen inzwischen meist erspart: Heute finden sich die meisten Seminarinhalte in Lernmanagementsystemen wie Moodle oder ILIAS, können sekundenschnell heruntergeladen und auf die eigene Festplatte kopiert werden. Immer mehr und vor allem aktuelle Literatur ist auch online zugänglich.

Es gibt heutzutage drei zusätzliche Aspekte, die ebenfalls sehr einfach technisch möglich sind:

  1. Die Bearbeitung und Veränderung von Inhalten: Seminarskripte oder Texte mit eigenen Anmerkungen, Fragen oder Gedanken versehen, Präsentationen anders aufarbeiten, Textabsätze ergänzen.
  2. Das Neuzusammenstellen von einzelnen Inhalten (Remix): So können Grafiken aus einer Präsentation zu einem Poster oder einer Infografik zusammengestellt werden oder Präsentationsfolien oder Textabsätze können einfach und schnell in Erklärvideos verwendet werden. Die multimedialen Möglichkeiten sind vielfältig und bunt.
  3. Das (Wieder-)Veröffentlichen von Inhalten: Das Hochladen und Teilen von bearbeiteten oder neu zusammengestellten Inhalten ist technisch ebenso einfach möglich – der Upload-Button gehört inzwischen ganz selbstverständlich zu unserer Lebenswelt hinzu.

Im Alltag der Hochschulen finden die beschriebenen Möglichkeiten allerdings kaum Anwendung. Warum eigentlich nicht? Das liegt meiner Einschätzung nach zum einen daran, dass Urheberrechtsgesetze diese Praktiken nur in sehr engen Grenzen erlauben: Das Zitatrecht ist sehr streng: Text-, Bild- oder Videozitate dürfen nur in einem sehr engen Rahmen und als Beleg verwendet werden, ansonsten droht eine Abmahnung. Ein gutes und ästhetisches Erklärvideo unter diesen Umständen zu produzieren ist kaum möglich. Auch die Bildungsschranken (§52a), die für Unterricht und Forschung Ausnahmen erlauben, beziehen sich primär darauf, dass Student_innen Inhalte konsumieren dürfen. Von Bearbeitung, Neuzusammenstellung oder Wiederveröffentlichung ist hier keine Rede – die Ausnahmen gelten zudem nur im geschlossenen Teilnehmer_innenkreis der Vorlesungen oder Seminare. Die Öffnung von Seminaren oder Vorlesungen durch das World Wide Web ist hier noch überhaupt nicht mitgedacht.

Offene Lehr- und Lernmaterialien: Die Open-Educational-Resources-Bewegung

Um die vielfältigen Potenziale doch zu nutzen, gibt es jedoch Licht am Ende des Tunnels: Eine Professorin oder ein Professor ist zwar automatisch nach deutschem Urheberrechtgesetz mit der Erstellung eines Skriptes der Urheber dieses Werkes: Jede_r der es benutzen, verändern oder wiederveröffentlichen möchte, muss eine Erlaubnis einholen – ansonsten begeht man eine Urheberrechtsverletzung. Die Urheber_innen können jedoch auch selbstbestimmt ihre Werke für Nutzungen offen freigeben. sodass nicht mehr die Erlaubnis eingeholt werden muss.

Die Bewegung rund um Open Educational Resources (OER) hat sich das Ziel gesetzt, solche Nutzungsrechte weltweit zu etablieren, um Lehr- und Lernmaterial offen im Netz oder auch ausgedruckt bereitzustellen. Als OER-Materialien werden Skripte, Texte, Videos und andere Werke bezeichnet, die frei genutzt, bearbeitet und wiederveröffentlicht werden können.

Geregelt wird dies über die freien Creative Commons Lizenzen*, welche weltweit etabliert sind und welche über diese Icons erkennbar sind:

CC BY – Namensnennung
CC BY-SA – Namensnennung und Weitergabe-unter-gleicher-Bedingung (Lizenz)

CC0 – Keine Bedingungen

Der große Vorteil: Das Zitatrecht muss somit nicht mehr beachtet werden, die Länge eines Zitats spielt hierbei ebenfalls keine Rolle. Somit könnten Texte oder Seminarskripte z.B. auch komplett als Podcast vertont und diskutiert werden – bei OER stehen einem alle Möglichkeiten der Nutzung offen, nur die Lizenzbedingungen sind entscheidend. Bei CC BY bedeutet dies, dass eine Angabe des Autors sowie der Lizenz ausreicht, um einen Text, eine Grafik oder eine Videosequenz in Erklärvideos, Postern oder anderen Werken zu verwenden.

Ein praktisches Beispiel Auf dem Portal OERinfo wurde beispielsweise der Magazin-Text von Markus Deimann aus dem Synergie Fachmagazin wiederveröffentlicht mit folgender Angabe:

Dies ist eine Übernahme des Textes „Open Education. Die ewig Unvollendete.“ von Markus Deimann. Dieser Text steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Erstmals erschienen der Text 2016 in: Synergie, Fachmagazin für Digitalisierung in der Lehre | #02 PDF.

Diese öffentliche Nachnutzung ist ohne Nachfrage möglich und über die Lizenzangaben geregelt, die im Originalartikel vermerkt wurden. Der Text erhält somit mehr Reichweite und kann in vielen Kontexten verwendet werden als auch verändert werden.

Der Text von Deimann könnte ebenso ganz einfach auf einem eigenen Blog selbstständig von Studierenden hochgeladen werden. Mit Tools wie Hypothes.is kann der Text dann gemeinsam im kleinen Kreis oder weböffentlich diskutiert werden, sodass auch andere Lernende von den Diskussionen profitieren können. Technisch ist all das inzwischen ein Kinderspiel, die Entscheidung über die Veröffentlichung liegt jeweils in der Hand der Lernenden.

Texte sind nur eine Medienform, die für OER in Frage kommt: Vorlesungsaufzeichnungen, Vortragsfolien, Leitfäden, Broschüren, Animationen, Grafiken, Simulationen, Quizzes, Software, Apps – all das kann unter offener Lizenz als OER verfüg- und veränderbar gemacht werden. Einen Einblick in die vielfältigen Möglichkeiten mit Einbezug von Lernenden bietet die Publikation „Content Projekte der Vorprojektphase 2015/16“ der Hamburg Open Online University (kostenfrei als epub oder PDF). Anhand von offenen Tools wie H5P wird zudem der gestalterische Spielraum sichtbar, der inzwischen technisch möglich ist.

Mit Hilfe von OER werden also vielfältige offene Praktiken möglich, die ohne CC-Lizenz rechtlich schlichtweg nicht möglich sind in Deutschland. Gemeinsames, hochschulübergreifendes Lernen mit Materialien aus ganz Deutschland oder der Welt wird ebenso möglich wie selbstorganisiertes Lernen. Der geschlossene Teilnehmer_innenkreis des Seminars oder der Vorlesung ist nicht mehr die Grenze für das Material – das ist eine wichtige, neue Freiheit.

Selbstbestimmung durch OER?

Im Sinne des Partizipationsmodells ermöglichen Open Educational Resources also eine hohe Partizipation der Lernenden an den Lerninhalten.

Grafik „Partizipation in Unternehmen #innovation“ (CC BY-NC-SA 2.0) by Tanja FÖHR, Bearbeitung: OER-Beispiele in roter Farbe ergänzt von Matthias Andrasch.

Inwiefern dies z.B. aber von den Akteuren an den Hochschulen tatsächlich gewollt oder erwünscht ist, wird die Zukunft zeigen. Derzeit laufen an mehreren Hochschulen vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte OER-Projekte. Ich selbst bin derzeit wissenschaftlicher Mitarbeiter in einem der geförderten BMBF-Projekte: „OERlabs – (Lehramts-)Studierende gemeinsam für OER ausbilden“. Und hier schließt sich der Kreis auch zur schulischen Debatte um OER: Wie sollen junge Lehrer_innen sich eigentlich diesen Möglichkeiten bewusst sein, wenn sie in der Hochschule von Dozierenden ganz anders geprägt werden und niemand bzw. sehr wenige Personen offen lehren oder lernen?

Mit dem Thema OER sind sehr stark auch Fragestellungen der Haltung zu Lehre/Unterricht, der Autorenschaft im digitalen Zeitalter sowie der Bildung und Wissenschaft allgemein verbunden: Wie frei und offen sollen Informationen und Wissen sein? Und sollen die technischen Möglichkeiten ausgeschöpft werden? Ein Engagement der jungen Generation, welches „Was bildet ihr uns ein“ vorlebt, ist meiner Ansicht nach in diesem Bereich ebenfalls dringend nötig, um auch Bottom-Up-Prozesse zu initiieren und OER-Vorhaben zu stärken.

Ich freue mich auf eine offene (Bildungs-)Zukunft!

Fragen zu OER können in der Facebook-Gruppe OER im deutschsprachigen Raum gestellt werden, gesammelte OER-Informationen finden sich u.a. hier:

https://oerlabs.de/oer


* Nicht zu den „echten“ OER werden CC-Lizenzen mit NC- und ND-Einschränkung gezählt, da bei der Einschränkung „nichtkommerziell“ (NC) sowie der Einschränkung „keine Veränderung“ (ND) zahlreiche Nutzungsmöglichkeiten eingeschränkt werden und Inhalte für viele Gruppen wie selbstständige Pädagog*innen nicht nutzbar sind. OER sollen per Definition offen für alle Lernszenarios sein.

——

Text unter CC-BY 4.0 Lizenz (https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/), Autor: Matthias Andrasch

Dies ist ein privater Meinungsbeitrag von Matthias Andrasch, ein Honorar wurde nicht gezahlt.

Matthias Andrasch arbeitet am Thema Openness und an der Schnittstelle zwischen Pädagogik und Informatik – mal als selbstständiger Medienpädagoge, mal als Edu-Hacker oder als wissenschaftlicher Mitarbeiter im BMBF-Projekt OERlabs. Er bloggt auf https://matthias-andrasch.de.

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Mein Abschluss-Statement nach dem CL 2025 MOOC

Zum Abschluss des MOOC-Teils wurden alle Teilnehmenden aufgefordert, ihre Einschätzung zum Corporate Learning in 2025 abzugeben, zu diesen 5 Fragen. Hier meine Antworten:

Frage 1: Was ist der aktuelle Zustand von Corporate Learning in Organisationen heute?

Das Lernen in Organisationen wird aus meiner Sicht derzeit nur zu einem ganz kleinen Teil auch als Lernen wahrgenommen. Fast nur dann, wenn jemand Lernziele definiert hat, Lernaufgaben stellt und die Gelegenheit zum Überpüfen von Lernergebnissen gibt, wird von Lernen gesprochen. Also immer dann, wenn Lernen fremdgesteuert und i.d.R. unabhängig oder abseits von der aktuellen Arbeitsaufgabe organisiert ist. Diese Lernprozess-gestaltende Rolle weist man den Learning & Development Profis in Weiterbildungs- oder Personalentwicklungsabteilungen zu. Sie haben den Auftrag von der Geschäftsleitung, das für die Organisation relevante Wissen für die verschiedenen Zielgruppen im Unternehmen (und auch außerhalb beim Kundentraining) aufzubereiten, und in geeigneten Formen diesen Zielgruppen zu vermitteln.

Dass dies nach der 70:20:10 Regel höchstens 10% des betrieblichen Lernens ausmacht, wird erst jetzt langsam klar. Trotzdem wird noch immer fast 100% des Weiterbildungs-Budgets für diese 10% verwendet.

Frage 2: Welche Schlüssel-Ereignisse der Vergangenheit haben zu diesem Zustand geführt?

Industrielle Produktion strebt wiederholbare Prozesse an, die stetig optimiert werden können. Was in der Massenproduktion gut funktioniert, müsste auch auf die massenhafte Wissens-Verteilung übertragbar sein, ist der Grundgedanke. Tatsächlich werden Weiterbildungsabteilungen in industriellen Organisationen als Dienstleistungs-Produzenten für möglichst große Zielgruppen geführt, die unter ständigem wirtschaftlichem Verbesserungsdruck stehen. Vergleichs-Kennzahlen wie in der Produktion wurden eingeführt, wie z.B. Teilnehmer pro Trainertag, oder verkaufte bzw. produzierte Teilnehmerstunden pro Jahr. Das führte zu massiver wirtschaftlicher Optimierung. So werden z.B. Zielgruppen möglichst groß definiert (und damit die Einzelbedarfe immer weniger getroffen). Ein anderes Beispiel für wirtschaftliche Optimierung ist die Kursdauer. Präsenzkurse dauern i.d.R. ein Vielfaches von ganzen Tagen. Einen 1,2 Tage-Kurs wird es nicht geben, weil man Kursraum und Trainer für den Rest des angebrochenen Tages meist nicht mehr sinnvoll nutzen kann – auch wenn das Thema mit 1,2 Tagen optimal erledigt wäre.

Diese Fokussierung auf die wirtschaftliche Produktion von aufbereitetem Wissen und der Vermittlung an Viele, lässt zum Einen die Bedürfnisse der Lernenden ziemlich aus dem Blickfeld verschwinden. Bei der Konzeption von neuen Lerneinheiten kommt es praktisch nie vor, dass Vertreter der Zielgruppe einbezogen oder überhaupt befragt werden. Zum Anderen wird den selbst aufbereiteten Inhalten so viel Wert beigemessen, dass die Kurs-Unterlagen mit Copyright-Schranken versehen werden – und deshalb oft nur als Papier-Version mit Wasserzeichen an die Teilnehmer gegeben werden. Damit werden gleiche Inhalte unzählige Male immer wieder neu aufbereitet, aber nie für andere nutzbar. Dabei wäre es viel wirtschaftlicher, gutes vorhandenes Kurs-Material von anderen zu verwenden.

Frage 3: Was ist unsere Vision? Wie wünschen wir uns das Corporate Learning im Jahr 2025 (möglichst konkret und bildhaft werden)?

Corporate Learning adressiert in 2025 die Gesamtheit von Lernen in einer Organisation, also auch die über 90% informellen Lernens nach dem 70:20:10 Modell. Lernen wird wieder als individueller Prozess der Lernenden gesehen, der gar nicht von außen gestaltet werden kann. Die Erkenntnis hat sich durchgesetzt, dass Lernen immer dann stattfindet, wenn Einzelne eine neue Herausforderung annehmen und bewältigen. Neue Herausforderungen gibt es im Job immer öfter, es ist gar nicht nötig, sie künstlich außerhalb der Arbeitsumgebung zu stellen (Wenige Ausnahmen: Herausforderungen mit Gefahr für Leib und Leben oder großem Schaden). Führungskräfte beobachten ihre Mitarbeiter und sorgen stetig für entwicklungsgeeignete Herausforderungen.

Mitarbeiter sind 2025 innerhalb und außerhalb der eigenen Organisation in Fach-Communities gut vernetzt. Dort holen sie sich Rat von Fachexperten für die Bewältigung ihrer Herausforderungen. Gleichzeitig geben Sie anderen Tipps aus ihrer eigenen Erfahrung. Das öffentliche Formulieren eigener Erfahrungen unterstützt die eigene Entwicklung – und die der ganzen Organisation. Deshalb gehört das Einbringen in Netzwerken ganz selbstverständlich zur Arbeitsaufgabe.

Im Idealfall wird es 2025 gar keine „Corporate Learning Abteilungen“ mehr geben. Das relevante Wissen stellen die Experten in den Netzwerken selber zur Verfügung. (Wobei jeder Experte für seinen Arbeitsbereich ist.) Jeder in der Organisation darf dieses Wissen nutzen, und in Communities beitragen und Fragen stellen.

Selbstorganisation ist das treibende Prinzip für die eigene Entwicklung – und der Entwicklung der ganzen Organisation. Wenn ein Experte meint, es sei sinnvoll, ein Seminar anzubieten, kann er das jederzeit bekanntgeben und selbst gestalten. Das gilt natürlich auch für andere Lernformate, wie Vorträge, Videos, MOOCs, Wiki-Beiträge, …
Durch Aufzeichnung und spätere Mehrfach-Nutzung hat man den Vorteil des Originaltons des Experten (im Gegensatz zu den immer aus zweiter oder dritter Hand von Trainern oder E-Learning-Agenturen vermittelten Inhalte heute.) Mitarbeiter suchen sich die Informationen, die ihnen zur erfolgreichen Aufabenbewältigung noch fehlen, selber.

Führungskräfte werden damit nicht überflüssig. Sie stehen für die klare Zieldefinition für ihre Organisation, fürs Transparent-Machen der wesentlichen Zahlen und Fakten, und für das wohlwollende Setzen von entwicklungsfördernden Herausforderungen ihrer Mitarbeiter.

Den viel beschworenen Lern-Begleiter sehe ich 2025 auch nicht mehr. Lernende sind autonom handelnde Individuen, die sich selber gut steuern können, was die 90% informellen Lernens heute schon beweisen. Lernende können sich aber Dienstleistungen wünschen, die wählen und auch abwählen können. Coaching ist ein Beispiel, gemeinsames Arbeiten mit einem Experten ein anderes.

Damit die Rahmenbedingungen für so ein selbstorganisiertes Lernen in einer Organisation günstig sind, braucht es neben der „Lernerlaubnis-Kultur“ eine unterstützende Infrastruktur. Das sind einerseits die sozialen Intranets und Wikis, und andererseits professionelle Unterstützungen bei der Erstellung von Lern-Events oder der Gestaltung von Lern-Modulen. Das könnte eine neue Abteilung „Learning Services“ anbieten. Die produziert aber keine Inhalte mehr, sie unterstützt lediglich die Experten beim Umsetzen ihrer Wissens-Vermittlungs-Vorhaben.

Frage 4: Was ist unsere Anti-Vision? Wie soll das Corporate Learning im Jahr 2025 auf keinen Fall sein?

Meine Anti-Vision für 2025:

  • Lernen ist in 2025 immer noch „erlaubnispflichtig“ ist, also ein Vorgesetzter muss zustimmen, wenn jemand lernen will.
  • Mitarbeiter werden zu Lern-Maßnahmen „entsandt“
  • Lernen und Arbeiten sind immer noch getrennte Vorhaben
  • Die Weiterbildungsabteilung gibt vor, was gelernt werden kann und darf
  • Weiterbildungsabteilungen haben zur eigenen Rechtfertigung ein Zertifikats-System aufgebaut. Nur wer ihre Zertifikate hat, darf bestimmte Jobs erledigen. Informelles Lernen zählt nicht.
  • Weiterbildung wird noch immer in Teilnehmerstunden gemessen
  • Lernen darf offiziell nur in der Arbeitszeit stattfinden
  • Der Zugang zu Wissen ist in der Organisation nur „Berechtigten“ erlaubt
  • Wissen wird nur zentral bereitgestellt, weil sich sonst ja Falsches verbreiten könnte
  • Mitarbeiter-Netzwerke werden nicht gern gesehen und auch nicht unterstützt
Frage 5: Welche konkreten Schritte bringen uns in den Jahren 2017-2025 zu unserer Vision? Wie vermeiden wir dabei die Anti-Vision?

Zwei Punkte scheinen mir wesentlich für einen Wandel hin zu einem neuen ganzheitlichen Verständnis von Lernen in Organisationen:

  • Die Unterstützung der Vernetzung von Mitarbeitern führt automatisch zu mehr Kommunikation auf neuen Wegen. Wer kommuniziert, kann Lernen kaum vermeiden. Soziale Netzwerke in Unternehmen führen auch im Erleben der Mitarbeiter zu mehr Lernen.
  • Mit dem immer wieder Erwähnen der 70:20:10 Formel wird im Bewusstsein aller in der Organisation, die viel größere Dimension des informellen Lernens verankert. Verbunden mit dem Hinweis, dass dieses Lernen immer selbstorganisiert abläuft, entsteht Mut, den formalen Lernpfaden weniger Bedeutung zu geben, zu Gunsten des informellen Lernens.

Wir Corporate Learning Professionals machen uns stark für soziale Intranets, Wikis und soziale Medien in der Organisation. Wo die noch nicht eingeführt sind, sollten wir das nicht der IT überlassen. Das hat so viel mit Lernen zu tun, dass wir die Treiber dafür sein müssen.

Wir Corporate Learning Professionals leben selbstorganisiertes Lernen vor: Wir gehören zu den Power-Usern in sozialen Netzwerken – und lernen dabei ganz viel. Working Out Loud ist für uns persönlich selbstverständlich. Wir begeistern auch andere, sich in Netzwerken einzubringen oder zumindest mitzulesen.

Wir Corporate Learning Professionals schaffen den Rahmen, damit selbstorganisiertes Lernen stattfinden kann, z.B. durch BarCamps, durch Anregung und Unterstützung von Communities of Practice, durch Anregung zur Produktion von Podcasts, Videos, Vorträgen von den Experten selbst, … (Beispiele gibt es viele, auch im Corporate Learning 2025 MOOCathon.). Wer von uns eine Unterstützung bei Gestaltung und Umsetzung bekommen möchte, kann die abrufen.

Wir Corporate Learning Professionals lenken die Aufmerksamkeit auf die vielen informellen Lernvorgänge in der Organisation, um die Mächtigkeit von selbstorganisiertem Lernen bewusst zu machen – auch wenn es unser klassisches Geschäft untergräbt. In unseren noch formalen Weiterbildungen integrieren wir immer größere Teile selbstorganisierten Lernens. Wir fordern Lernende auf, selbst Content zu produzieren, die sie anderen zur Verfügung stellen.

 

 

Der Beitrag Mein Abschluss-Statement nach dem CL 2025 MOOC erschien zuerst auf Corporate Learning - Training und Wissensmanagement.

Ist der Mensch von Natur aus gut oder böse?

Die Erbsünde als Metapher für unsere KulturbedürftigkeitWir werden als unschuldige Kinder geboren. Ziemlich schnell aber – so würde unsere christliche Tradition sagen – laden wir Schuld auf uns und sind vergebungsbedürftig. Diese sogenannte Erbsünde ist nichts, was wir im Laufe des Aufwachsens erwerben oder verhindern könnten, sondern sie ist uns mit in die Wiege gelegt. Kein Mensch hat nach...

Toll, dass Sie hier sind. Lassen Sie mich wissen, was Sie denken: www.geistundgegenwart.de/p/kontakt.html

Neues vom Kooperationsverbot: Wieder nur Projektfinanzierung vom Bund

Was bildet ihr uns ein ? - 31. July 2017 - 19:11

Wieder keine langfristige Bundesfinanzierung für Bildung? Foto: nerovivo/Flickr

Bisher konnte Bund die Länder nicht bei der Finanzierung von Bildung unterstützen. Dieses so genannte Kooperationsverbot wurde vor kurzem aufgelockert. Was das für den Bereich Schule bedeutet, hat sich Jenny Laube vom Netzwerk Chancen für uns angeschaut.

Am 1. Juni hat der Bundestag die Geldflüsse zwischen Bund und Ländern neu geordnet. Ganze 13 Grundgesetzänderungen wurden mit den Stimmen der Unions- und SPD-Fraktionen beschlossen. Einen Tag später folgte auch die Zustimmung des Bundesrates.

Für alle, die sich für Bildung und das Bildungssystem in unserem Land interessieren, erscheinen insbesondere die Artikel 6 und 7 der beschlossenen Änderungen ein Stück weit revolutionär. Darin wird dem Bund erlaubt, besonders finanzschwache Kommunen bei den Investitionen in die Schulinfrastruktur finanziell zu unterstützen. Dies war bislang aufgrund des sogenannten Kooperationsverbots nicht möglich. Weil in Deutschland die Länder für die allgemeinbildenden Schulen zuständig sind, tragen sie neben der fachlich-inhaltlichen auch die finanzielle Verantwortung. Mit der Folge, dass besonders in den ärmeren Bundesländern die Investitionen in die Schulen seit Jahren nicht dem Bedarf entsprechen und vielerorts untragbare Zustände entstanden sind.

In den letzten Jahren, hat das Kooperationsverbot vor allem zur Folge gehabt, dass die Lern- und Lehrverhältnisse in den einzelnen Bundesländern immer stärker auseinanderdriften. Die Qualität der allgemeinen Schulbildung leidet, wo leere Kassen verhindern, dass ausreichend Lehrkräfte angestellt und an Schulgebäuden die erforderlichen Sanierungsmaßnahmen durchgeführt werden.

Das Kooperationsverbot wird zwar seit Jahren kritisiert, dennoch sträuben sich die Verantwortlichen in den Bundesländern vehement gegen seine Aufhebung. Die teils prekäre Lage, beispielsweise an Berliner oder Bremer Schulen hat nun aber doch dazu geführt, dass sich Bundestag und Bundesrat auf eine Lockerung geeinigt haben.

Was bringt nun die Gesetzesänderung?

Zunächst einmal bedeutet die Gesetzesänderung keine dauerhafte oder umfassende Aufhebung des Kooperationsverbots. Vielmehr wird dem Bund erlaubt in sehr engen Grenzen und für einen befristeten Zeitraum Projekte im Bereich der Schulinfrastruktur nach vorheriger Beantragung durch die Kommunen finanziell zu unterstützen.

Hierfür stellt er im Kommunalinvestitionsförderungsfonds Gelder in Höhe von insgesamt 3,5 Milliarden Euro bereit, die bis 2024 ausbezahlt werden sollen. Förderfähig sind dabei Projekte, welche die Sanierung, den Umbau, die Erweiterung von Schulgebäuden sowie in engen Grenzen auch deren Ersatzbau zum Gegenstand haben. Weiterhin können Investitionen in die erforderliche Gebäudeausstattung sowie die digitale Infrastruktur gefördert werden. Das Mindestfördervolumen der Projekte liegt bei 40.000 Euro und für die Prüfung und Genehmigung der Förderanträge sind die Länder zuständig.

Jenny Laube engagiert sich für Netzwerk Chancen – eine unabhängige Plattform, die durch einen gesamtgesellschaftlichen Dialog Lösungsansätze für mehr Chancengleichheit für Kinder und Jugendliche aus sozial schwachen Familien erarbeitet.  Was bedeutet das für die Schulen im Land?

Man kann den Gesetzesbeschluss als einen vorsichtigen, aber richtungsweisenden Schritt hin zur Lockerung des Kooperationsverbots deuten. Der Kommunalinvestitionsförderungsfond ist jedoch im Hinblick auf Dauer, Ausgestaltung und Volumen nicht geeignet, eine deutliche, flächendeckende Verbesserung der Schulinfrastruktur im Bundesgebiet zu bewerkstelligen, geschweige denn die systemischen Unzulänglichkeiten zu beseitigen. Weil das Förderprogramm als Projektfinanzierungsmodell ausgestaltet ist, wird es nur punktuell den Investitionsrückstau in den Schulen korrigieren können, den der Deutsche Städtebund inzwischen auf 30 Milliarden Euro schätzt. Und statt über regelmäßige zweckgebundene Zuwendungen an die Gemeinden die finanzielle Situation der Schulen langfristig zu verbessern und zu sichern, können Gelder nur im Rahmen begrenzter, bewilligungspflichtiger Projekte an die Kommunen ausbezahlt werden. Die Schaffung neuer Lehrstellen oder die Bezahlung von Schulsozialarbeitern können daraus nicht finanziert werden, obwohl auch hier dringender Bedarf – insbesondere an so genannten Brennpunktschulen – bestünde.

Zwar ist es positiv zu bewerten, dass sich Länder und Bund zumindest etwas bewegt haben, bei diesem ersten zaghaften Schritt darf es aber nicht bleiben. Vielmehr muss zügig darauf hingewirkt werden, dass die ausreichende finanzielle Ausstattung der allgemeinbildenden Schulen dauerhaft gesichert wird und nicht länger Schüler, Eltern und Lehrer das Nachsehen haben, wenn die Länderfinanzen knapp sind. Weil die Zuständigkeiten im Grundgesetz geregelt sind, bedarf eine Änderung einer 2/3-Mehrheit in Bundestag und Bundesrat. Wenn also ab Herbst nicht länger eine Große Koalition unser Land regieren sollte, obläge es allen Bundestagsfraktionen die Finanzierung unserer Schulen auf ein festes Fundament zu stellen und sich nicht in parteipolitischem Taktieren zu verlieren. Es geht um kein geringeres Gut als unsere Zukunft und die sollten wir nicht weitere vier Jahre aufs Spiel setzen.

Link zum Wortlaut der Bundesdrucksache: http://www.bundesrat.de/SharedDocs/drucksachen/2017/0401-0500/431-17.pdf?__blob=publicationFile&v=2.

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Zu einer mehrdimensionalen Lebenskunst

Ginge auch beides? Wer hat sie nicht, diese zwei Seelen in der Brust? Anspannen oder entspannen? Fitness-Center oder Couch? Mehr wollen oder sich mit dem zufrieden geben, was man hat? Karriere oder Ausstieg aus dem Hamsterrad? Wie bei allen dualen Entgegensetzungen vermute ich auch hier, dass ein Entweder-Oder nicht der richtige Ansatz sein kann. Eigentlich will ich doch sowohl das eine, als auch...

Toll, dass Sie hier sind. Lassen Sie mich wissen, was Sie denken: www.geistundgegenwart.de/p/kontakt.html

Workshopbericht: Journalistische Interviews

Was bildet ihr uns ein ? - 17. July 2017 - 19:25

Keine astreine Interviewsituation, oder? Foto: Alena Biegert

Interviews sind eine häufig verwendete journalistische Form. Aber wie bereitet man sie vor, wie führt man sie? Darüber haben wir uns weitergebildet. Alena Biegert hat aufgeschrieben, wie es war. 

Welche Fragen stelle ich einer Politikerin, die ich einem Popstar besser nicht stelle? Wie bereite ich mich auf ein Interview vor, damit ich kein nervöses Nervenbündel bin? Und wie komme ich im Interview vom sicheren Terrain ins ungewisse Abenteuer, wo die wirklich spannenden Fragen warten?

Am Sonntag, den 16. Juli haben wir zu einem Workshop in den Blumensaal im Palais am Festungsgraben eingeladen: „Journalistische Interviews vorbereiten und führen“.
Der Journalist Andreas Hermwille hat die zwölf Teilnehmenden den Tag über von der Theorie zu praktischen Fragen begleitet und dabei auch aus dem professionellen Nähkästchen geplaudert (Hättet ihr gewusst, wofür die Codezahlen 1,2 und 3 in Gesprächen mit Politiker_innen stehen?). Wir haben über Fragetypen, Interviewformen und verschiedene Interviewpartner_innen gesprochen, unsere Haltung als Interviewende während eines Gesprächs reflektiert und die Erstellung eines Fragenkatalogs erprobt.

Vielen Dank an die Stiftung Bildung, die so freundlich war, uns die Räumlickeiten zur Verfügung zu stellen. Und Danke natürlich an Andreas Hermwille, der aus Bielefeld anreiste, um den Workshop zu leiten. Auch dieser Blog-Workshop war ein schöner Erfolg und wir werden das Format auf jeden Fall fortführen!

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Digitalisierung und die Dampflok

Was bildet ihr uns ein ? - 10. July 2017 - 22:31

Wartet er noch? Oder ist der digitale Zukunft schon abgefahren? Foto: Erick Pleitez/Flickr

Die Digitalisierung als Chance begreifen und sie aktiv mitgestalten – vor allem aber unsere Kinder digital fit machen. Dafür plädiert Verena Gonsch in ihrem Buch „Digitale Intelligenz. Warum die Generation Smartphone kein Problem, sondern unsere Rettung ist“. Sonst, so befürchtet die Autorin, ist der Zug bald abgefahren und nicht nur die junge Generation, sondern auch Deutschland als Ganzes auf der Strecke geblieben. Kira Meyer hat sich das Buch genauer angesehen.

Was haben Digitalisierung und eine Dampflock miteinander zu tun? Für Verena Gonsch ist das ganz klar: Die Moderne stand in Deutschland immer schon im Verdacht, die Kultur zu schädigen. Paradigmatisch zeigt sich das an der zögerlichen Haltung der Deutschen gegenüber der revolutionären Eisenbahntechnik vor fast 200 Jahren. Digitalisierung ist also so etwas wie die Dampflok des 21. Jahrhunderts. Sollten wir auf diesen Zug aufspringen?

An dieser derzeit so hitzig geführten Debatte beteiligt sich die Autorin mit ihrem Buch und liefert in kritischer Auseinandersetzung viele Gründe dafür, dass wir zum Sprung ansetzen sollten. Gegen Panikmacher_innen und Schwarzmaler_innen werden zahlreiche Expert_innen ins Feld geführt, die anhand von neuesten Forschungsergebnissen ein positives Bild von den Veränderungen durch die digitale Revolution zeichnen. Soziolog_innen und Psycholog_innen, ebenso wie Hirnforscher_innen und Philosoph_innen lässt Gonsch zu Wort kommen. Dabei wirft sie immer wieder einen Blick in die deutsche Geschichte und zeigt überzeugend auf, dass die Angst vor den Auswirkungen der neuen Technik unbegründet ist. In thematisch vielfältigen Kapiteln rückt sie mal dem Mythos der angeblich für Verblödung sorgenden Computerspielen zu Leibe, seziert die Vorurteile über die Arbeitswelt 4.0 oder macht die Wurzeln der deutschen Technologiefeindlichkeit im Zeitalter der Industrialisierung aus.

Bildungschancen durch Digitalisierung für Jung und Alt

Ein besonderes Augenmerk des Buches liegt auf den Kindern und Jugendlichen: Was bedeutet die Digitalisierung für sie? Welche Verpflichtung haben wir ihnen gegenüber in der Ausgestaltung der digitalen Welt? Dringend nötig wäre, dass Lehrer_innen digitale Medien stärker in den Unterricht einbinden und den jungen Generationen somit wichtige Fähigkeiten für die Arbeitswelt 4.0 vermitteln. Denn der aktuelle Zustand ist alarmierend: „Tatsächlich konnte vor drei Jahren jeder zweite Achtklässler in Deutschland noch nicht einmal im Internet eine Webadresse suchen. (…) Bei internationalen Studien, bei denen die Kompetenz getestet wird, sich sicher im Internet zu bewegen, liegen deutsche Schüler im unteren Mittelfeld. Viele europäische Länder überholen uns in Sachen Medienkompetenz.“

Kira Meyer (geb. 1993) hat einen Bachelor in Philosophie und Politikwissenschaften und studiert nun Philosophie im Master – ebenfalls an der Universität Hamburg. Als Ehrenamtliche in der schulischen Hilfe für Flüchtlingskinder oder als Tutorin an der Uni begleitet sie das Thema Bildung und was es heißen könnte, gebildet zu sein.

Aber auch Eltern wären gut beraten, neugieriger auf die digitalen Welten zu sein, in denen sich ihre Jüngsten so selbstverständlich bewegen. Sich von ihnen mal zur Kampfmaschine ausbilden zu lassen oder gemeinsam einen Nachmittag Pokémon Go zu spielen – das stärkt nicht nur den familiären Zusammenhalt, sondern öffnet idealerweise so manchem „Digital Dinosaurier“ eine Tür zu neuen Online-Welten. Denn Bildungschancen durch Digitalisierung bekommen nicht nur junge Menschen, „auch Wissensdurstige in den Industriestaaten werden davon profitieren. Denn die Online-Unis bieten die Möglichkeit, auch mit 40plus nochmal den Beruf zu wechseln oder sich weiterzubilden.“

Mitgestalter_innen gefragt

Anregend verfasst sind nicht nur die Sachbuch-Texte von Verena Gonsch, auch die jedem Kapitel vorangestellten Geschichten von Till Raether, in denen das Thema des folgenden Abschnitts belletristisch beleuchtet wird, regen zum Nachdenken an. Gespickt mit Humor und persönlichen Erlebnissen schlagen die Autor_innen einen weiten Bogen über die wichtigsten Bereiche der digitalen Revolution – bei einem nicht derart komplexen Thema wie diesem keine Selbstverständlichkeit. Nicht nur durch diese gelungene Kombination von Sachbuch und Kurzgeschichten erhält der Leser oder die Leserin einen umfassenden Einblick, auch die Bemühung der Autorin, sowohl die Pro- als auch die Contra-Seite zu beleuchten, macht das Buch lesenswert. An einigen Stellen würde man sich vielleicht wünschen, dass länger bei Begriffen verweilt wird. Gerade mit Bildung oder Intelligenz ist in Debatten häufig ganz Unterschiedliches gemeint. Zumal der Titel des Buches von digitaler Intelligenz spricht, wüsste man gerne genauer, was genau die Autorin darunter versteht.

Das Buch ist aber nicht nur für Eltern und Lehrer_innen interessant, sondern für jeden, der die Form unserer zukünftigen Gesellschaft mitbestimmen will – denn da kommt man an einer Mitgestaltung der Digitalisierung nicht vorbei. In Zeiten von Dampflok und Druckerpresse will wohl niemand mehr zurück, spätestens nachdem er dieses Buch gelesen hat.

Das Buch erscheint am 24. November im Verlag Bastei Lübbe. Es umfasst 256 Seiten und ist erhältlich als Paperback für 12,90 € – oder ganz modern als E-Book für 9,99 €.

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